Ombudsstelle für Jugendhilfe in der Krise: Linke fordert Bestandsgarantie
Harburg – Sie ist die letzte unabhängige Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern im Streit mit dem Jugendamt: die Ombudsstelle Jugendhilfe, betrieben von der Fachstelle „OHA!“. Doch die Einrichtung arbeitet seit Längerem am Rand ihrer Kapazitäten – und ausgerechnet jetzt plant die Sozialbehörde eine Neuausschreibung der Trägerschaft. Die Fraktion Die Linke Harburg schlägt mit einer Kleinen Anfrage (Drs. 22-1909) Alarm.
Die Ombudsstelle wurde nach der Enquete-Kommission zum Kinderschutz gesetzlich verankert und berät Kinder, Jugendliche, Eltern und Vormünder kostenlos und unabhängig bei Konflikten mit Jugendämtern oder freien Trägern – etwa bei der Bewilligung von Erziehungshilfen oder Missständen in Heimen. Die Einrichtung etablierte sich schnell als wichtige Instanz. Doch chronische Unterfinanzierung hat die Arbeit längst ernsthaft eingeschränkt: Telefonzeiten wurden drastisch gekürzt, Fallbearbeitungen verzögern sich, und auf der eigenen Homepage warnt die Stelle regelmäßig vor Aufnahmestopps.
Neuausschreibung mitten in der Krise – Misstrauen in der Linksfraktion
Dass die Sozialbehörde die Trägerschaft ausgerechnet im Juni 2026 neu ausschreibt, während die Einrichtung finanziell auf dem letzten Loch pfeift, stößt bei der Linksfraktion auf scharfe Kritik. Fraktionsvorsitzender Simon Dhemija spricht von einem möglichen taktischen Manöver: „Wir befürchten, dass hier eine kritische, unabhängige Stimme eher mundtot gemacht oder die Arbeit unter dem Deckmantel einer Neuorganisation gesundgeschrumpft werden soll.“ Die Fraktion verweist auf steigende Fallzahlen im Bezirk Harburg – einem Außenbezirk mit hoher sozialer Dynamik, in dem unabhängige Beratung besonders gefragt ist.
Forderung: Solide Finanzierung statt neuer Ausschreibungstexte
Die Linke fordert vom Senat eine Bestandsgarantie sowie den ausdrücklichen Ausschluss von Kürzungen im Zuge der Neuvergabe. Mit der Kleinen Anfrage will die Fraktion außerdem klären, welche Qualitäts- und Finanzierungskriterien an die Ausschreibung geknüpft sind und wie strukturelle Brüche in der Harburger Beratungslandschaft verhindert werden sollen. Für komplexe Fälle – etwa die Rechteaufklärung unbegleitet geflüchteter Jugendlicher mit Dolmetschereinsatz – reichen die Kapazitäten laut Eigenangaben der Fachstelle schon länger nicht aus.
Dhemija bringt die Kritik auf den Punkt: „Wer bei der Ombudschaft spart, spart direkt an der Sicherheit unserer schwächsten Bürgerinnen und Bürger.“ Eine Stellungnahme der Sozialbehörde lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor. scharnberg.de berichtet weiter.
