Politik

Hamburg – Bostelbek: Die vergessene Chance für die Verkehrswende

Hamburg – Die Fahrgäste der S-Bahnlinien S3 und S5 kennen das Problem nur zu gut: Die Strecke zwischen Neuwiedenthal und Heimfeld wirkt wie eine Endlosschleife. Kein Wunder, denn mit fast sechs Kilometern Abstand sind diese beiden Haltestellen das am weitesten auseinanderliegende Paar im gesamten Hamburger S-Bahn-Netz. Eine Lücke, die nach einer Lösung schreit – und doch bleibt sie ungelöst.

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Die Stadt ignoriert dringenden Bedarf

Durch eine parlamentarische Anfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten André Trepoll (Drs. 23/3843) kam ans Licht, was viele längst ahnten: Die seit Jahren geforderte S-Bahnhaltestelle „Bostelbek“ wurde von Rot-Grün klammheimlich ad acta gelegt. Zwar wird sie in internen Papieren als „mögliche Schnellbahnnetzerweiterungsoption nach 2040“ erwähnt, doch verbindliche Zusagen? Fehlanzeige. Dabei liegt seit 2021 eine Machbarkeitsstudie vor (Bezirksdrucksachen 21-0435 und 21-1116), die den Nutzen klar belegt.

Trepoll, der den Wahlkreis Süderelbe vertritt, zeigt sich empört: „Rot-Grün hat Bostelbek auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. Während für die U5 nördlich der Elbe mindestens 16 Milliarden Euro veranschlagt werden, ist der Ausbau südlich der Elbe dem Senat keinen Cent wert. Die Verkehrswende bleibt hier eine leere Floskel.“ Besonders bitter: Tausende Berufspendler, die in den vielen Betrieben in Bostelbek arbeiten, bleiben auf das Auto angewiesen. Die ohnehin überlastete B73 wird so weiter zum Nadelöhr.

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Bostelbek: Ein Standort mit Potenzial

Die Machbarkeitsstudie zeigt: Im Einzugsbereich der geplanten Haltestelle arbeiten fast 10.000 Menschen. Nur die Haltestelle Harburg Rathaus (14.853 Beschäftigte) und Harburg (7.235) liegen in einem ähnlichen Radius noch höher. Selbst im Vergleich zu allen bis 2030 geplanten 15 neuen oder umzubauenden S- und U-Bahnhöfen in Hamburg würde Bostelbek bei den profitierenden Beschäftigten Platz 3 belegen.

„Dass der Senat diese Zahlen ignoriert, ist unverständlich“, so Trepoll. „Beschäftigtenzahlen sind ein zentraler Indikator für den Nutzen von Infrastrukturinvestitionen. Eine Haltestelle in Bostelbek würde nicht nur Pendler entlasten, sondern auch die Verbindung zwischen Harburger Binnenhafen, TU Hamburg und den Betrieben vor Ort revolutionieren.“

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Ein Kommentar

  1. Machbar ist natürlich alles. Man sollte aber nicht alles machen, nur weil man es könnte.
    Eine Haltestelle mehr kostet nicht nur Geld sondern auch Zeit. Es sind nicht nur die paar Minuten Haltezeit. Es wäre eine zusätzliches Störrisiko mehr durch die zusätzliche Technik und menschliche Risiken (Personen im Gleiskörper). Schon seit mehr als 10 Jahren habe ich das Gefühl, das die Fahrpläne unverbindliche Tipps sind. Planen kann man damit nicht, je mehr moderne Technik, umso störanfälliger wird es.
    Wir können nicht immer mehr Menschen in Süderelbe ansiedeln, die nicht nur Mobilitätsbedürfnisse haben.
    In Singapore, das in etwa so gross ist, wie Hamburg, leben zwar 3,8 Millionen Menschen, aber da herrscht eine ganz andere Mentalität. Gemeinschaft statt jeder gegen jeden.

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