Kultur

Farbenzauber gegen grauen Beton: Wie Neugraben seine S-Bahn-Brücke in eine bunte Pracht verwandelte

Neugraben – Die Fußgängerbrücke am S-Bahnhof Neugraben präsentiert sich ab sofort in einem völlig neuen Erscheinungsbild. Wo bislang graue, verschmutzte Betonflächen den Zugang zum Stadtteil prägten, ziehen nun kräftige Farben und dynamische Pinselstriche die Blicke auf sich. Im Rahmen einer großen Kunstaktion wurde der rund 120 Meter lange Brückenabschnitt zwischen dem Ausgang Vogelkamp und dem ersten Treppenabgang auf der Südseite vom 10. bis 12. Juli 2026 künstlerisch gestaltet. Eigentlich sollte die Bemalung bereits während der Mai-Ferien stattfinden. Aufgrund anhaltender Regenfälle musste das Projekt jedoch kurzfristig abgesagt werden, sehr zum Bedauern aller Beteiligten. Insbesondere die Planung mit Kindern und Jugendlichen erforderte einen erheblichen organisatorischen Aufwand. Umso größer war die Freude, dass die Umsetzung nun doch noch gelang. Der Wunsch, die grauen Betonbrüstungen der Brücke dauerhaft freundlicher und einladender zu gestalten, bestand in Neugraben bereits seit vielen Jahren. Maßgeblich angestoßen wurde das Projekt durch den Stadtteilbeirat Neugraben, der die Idee aufgriff und gemeinsam mit zahlreichen Partnern die Umsetzung ermöglichte. Für die künstlerische Konzeption und Leitung konnten die beiden Künstler Kathi Lühr und Ralf Schwinge gewonnen werden.

Ein starkes Duo und die Kraft der Gemeinschaft

Kathi Lühr ist Erzieherin, Sozialpädagogin und freischaffende Künstlerin. Ralf Schwinge ist Harburgs Stadtmaler. Beide arbeiten seit rund zehn Jahren eng zusammen und haben in dieser Zeit zahlreiche Kunstprojekte mit Kindern, Jugendlichen und Menschen mit Behinderungen realisiert. Gemeinsam leiten sie Kunstkurse und Workshops, gestalteten mit Schülern bereits Wände im öffentlichen Raum und bemalen seit fünf Jahren jährlich Stromkästen im Alten Land, ebenfalls mit Schülern. Ihr gemeinsames Projekt „Vielfaltshaus“ wurde 2022 sogar für den Hamburger Stadtteilkulturpreis nominiert und gehörte damit zu den zehn bedeutendsten Kulturprojekten Hamburgs. Darüber hinaus geben beide seit Jahren regelmäßig mehrere Kurse im Kulturhaus Süderelbe. Auch für die Gestaltung der Brücke entwickelten Kathi Lühr und Ralf Schwinge gemeinsam drei verschiedene Entwürfe, die einen Monat in Neugraben ausgestellt wurden. Rund 400 Bürger beteiligten sich an der öffentlichen Abstimmung, bei der es vorrangig nur um die Art der Gestaltung ging. Mit deutlichem Vorsprung gewann der Entwurf mit den markanten, künstlerischen Pinselstrichen, der nun umgesetzt wurde. Die rund 120 Quadratmeter große Gestaltungsfläche orientiert sich farblich an dem relativ neuen Fußgängertunnel unter der Bahnstrecke. Beide Bauwerke bilden nun ein zusammenhängendes Erscheinungsbild und sorgen für einen deutlich freundlicheren ersten Eindruck des Stadtteils für ankommende Bahnreisende.

Bunte Pinselstriche für ein neues Wir-Gefühl

Die Bemalung selbst entwickelte sich zu einer besonderen Gemeinschaftsaktion. Ursprünglich war das Projekt als betreutes Ferienprojekt geplant. Durch die notwendige Terminverschiebung entstand schließlich eine offene Mitmachaktion, bei der sich neben Kursteilnehmern zahlreiche Bürger spontan beteiligten. „Wir waren überrascht, dass die Bemalung eine so große Aufmerksamkeit entfachte“, berichten Kathi Lühr und Ralf Schwinge. „Es kamen so viele Menschen mit ihren Kindern, die davon gehört hatten und einfach mithelfen wollten.“ Im Laufe der drei Projekttage beteiligten sich fast 50 Menschen aktiv an der Gestaltung der Brücke. Einige setzten nur wenige Pinselstriche, andere arbeiteten über viele Stunden mit. Ebenso groß war die Unterstützung der zahlreichen Besucher, die stehen blieben, fotografierten, sich für das Projekt bedankten oder Getränke spendeten. „Es war schön zu erleben, wie Jung, Alt und kulturübergreifend gemeinsam arbeiteten, sich sofort verstanden und sich darüber freuten, Teil eines großen Gemeinschaftsprojekts zu sein“, so die beiden Künstler. Insgesamt wurde an drei Tagen jeweils rund acht Stunden gemalt. Die eigentliche Ausführung nahm damit weniger Zeit in Anspruch als die umfangreiche Vorbereitung, Organisation und Koordination des Projekts. Möglich wurde das Projekt durch die Unterstützung zahlreicher Partner. Die Deutsche Bahn begleitete die Maßnahme von Beginn an und unterstützte das Projekt unter anderem mit Farben, Pinseln und der Verpflegung der Helfer. Gefördert wurde das Vorhaben vom Bezirksamt Harburg, dem Verfügungsfonds des Stadtteilbeirats Neugraben, der Sparkasse Harburg-Buxtehude sowie der Hamburger Sparkasse Neugraben. Mit der farbenfrohen Gestaltung ist nicht nur ein neues Kunstwerk im öffentlichen Raum entstanden. Die Brücke ist zugleich zu einem sichtbaren Zeichen für bürgerschaftliches Engagement, gemeinschaftliches Handeln und die Identifikation mit dem eigenen Stadtteil geworden.

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