Politik

Bahnchaos in Harburg: CDU fordert sofortige Freigabe von ICE und IC

Harburg – Es waren Szenen, die viele Fahrgäste nicht so schnell vergessen werden: Tausende Menschen drängten sich am Himmelfahrtstag stundenlang auf den Bahnsteigen in Harburg und am Hamburger Hauptbahnhof, gefährliche Situationen an Auf- und Abgängen, überfüllte Bussteige, Senioren und Rollstuhlfahrer vor blockierten Aufzügen. Der ohnehin als unzureichend kritisierte Schienenersatzverkehr brach unter dem Ansturm faktisch zusammen. Auslöser war eine Kombination aus dem reiseintensiven langen Wochenende, einem Wasserleitungsbruch in Harburg und einer Oberleitungsstörung – alles während der seit dem 10. Mai 2026 laufenden Sperrung der S-Bahnstrecke zwischen Neugraben und Wilhelmsburg.

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CDU hatte früh gewarnt – und wurde ignoriert

Die CDU hatte bereits im Vorfeld der Sperrung deutliche Nachbesserungen am Ersatzverkehrskonzept des rot-grünen Senats gefordert. Laut einer CDU-Anfrage befördern auf dem gesperrten Abschnitt an normalen Tagen knapp 350 Züge über 120.000 Fahrgäste. Die Warnungen verhallten.

Die Harburger CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Birgit Stöver zeigt sich fassungslos: „Der rot-grüne Alibiersatzverkehr ist gestern komplett entgleist. Zehntausende Fahrgäste durften das rot-grüne Planungsdesaster ausbaden.“ Sie fordert als unmittelbare Konsequenz, ICE- und IC-Züge zwischen Harburg und dem Hauptbahnhof unverzüglich für Nahverkehrskunden freizugeben. Gleichzeitig übt sie grundsätzliche Kritik: Seit 15 Jahren werde der „Sprung über die Elbe“ in Sonntagsreden beschworen, ohne dass konkrete Maßnahmen folgten. Stattdessen entstehe mit der U5 erneut eine U-Bahnlinie nördlich der Elbe, die zudem durch den bereits hoffnungslos überlasteten Hauptbahnhof geführt werde.

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Strukturversagen mit Folgen für Wirtschaft und Olympia-Bewerbung

André Trepoll, Chef der CDU Harburg und Bürgerschaftsabgeordneter aus Süderelbe, sieht hinter dem Chaos strukturelle Defizite, die weit über den Tag hinausreichen. Selbst vergleichsweise einfache Maßnahmen wie Expressbuslinien zwischen Harburg und Altona oder eine bessere Verzahnung der hop-Shuttlebusse mit dem niedersächsischen Umland seien an einer rot-grünen Mischung aus Unwillen und Unvermögen gescheitert. „Das gestrige Verkehrsfiasko hat nicht nur dem Vertrauen der Menschen in Busse und Bahnen stark geschadet, sondern auch dem Ruf des Wirtschaftsstandortes Hamburg“, so Trepoll.

Als Sofortmaßnahmen schlägt er vor, die hop-Shuttlebusse im Einsatzgebiet Harburg kurzfristig zu verdoppeln und für Fahrten zwischen Neugraben, Harburg und Hauptbahnhof ohne Aufpreis nutzbar zu machen. Ergänzend sollten großzügige Taxi-Rabatte gewährt werden. Und grundsätzlich, so Trepoll, müssten sämtliche Baustellenpläne der kommenden Jahre für den Süderelberaum auf den Prüfstand. Eine Stadt, die sich anschicke, die größten Sportveranstaltung des Planeten auszurichten, könne sich solche Szenen kein zweites Mal leisten.

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3 Kommentare

  1. Ich will ja nix sagen, aber die CDU füllt nur ihre Rolle als Opposition aus. Sie hat den Vorteil, dass sie so tun kann, als wäre das alles nicht passiert, wenn nur sie die Regierungsgewalt innehätte. Hat sie aber nicht, und wenn, wäre das Gleiche passiert und die SPD hätte rumkrakeelt. Also tüten wir’s ab unter „Pflichtgestänker“. Sonst noch was los?

  2. Wir sind jetzt über den Berg. Der Gipfel wurde 2019 (Corona) überschritten. :Jetzt geht es Berg ab. Das das muss auch nicht schlimm sein. Wir alle können nur nicht mehr so gedankenlos drauflos leben und konsumieren. Besonders die Reichen sollten sich mal zurück nehmen und ihren angemessenen Anteil am Gemeinwesen leisten.
    Die „Planung“ für dieses spezielle Wochenende war natürlich denkbar schlecht, aber die Infrastruktur verschleißt nunmal und wenn man sich nicht kontinuierlich um den Erhalt kümmert, kommt es zu solchen Situationen. Es ist ja immer wichtiger, viel Geld in neue -insbesondere Autobahnprojekte zu stecken. Die Bahn ist zweitrangig – bestenfalls und die Kreis – Land und Bundesstraßen gehen kaputt.
    Wenn wir aber mehr leisten würden, wie unsere Regierung das fordert, würden wir solche „Feiertage“ streichen und kräftig in die Hände spucken und das Bruttosozialprodukt steigern,


    1. kräftig in die Hände spucken und das Bruttosozialprodukt steigern

      Genau wie es unserem Bundeskanzler im Traum vorschwebt. Meine Empfindung nach 45 Jahren im mittelständischen Handwerk ist die, dass die 6 Wochen Urlaub und die paar mickerigen Feiertage gerade das Minimum sind, das einem zugestanden wird, damit man nicht zusammenbricht. War mir schon lange klar. Darum wollte ich nie ein angestrengter Vielverdiener sein. Mir hat aber keiner gesagt, dass die einzige Alternative die ist, ein angestrengter Wenigverdiener zu sein. Eigentlich weiß ich, was ich falsch gemacht hab.
       

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