Landkreis Harburg

Seevetal kämpft gegen Autobahnlärm – und fordert Tempo 80 auf A1, A7 und A39

Seevetal – Die Gemeinde Seevetal macht ernst im Kampf gegen den Lärm der Autobahnen. Gestützt auf ihren aktuellen Lärmaktionsplan und ein Gutachten der Autobahn AG fordert sie von der zuständigen Straßenverkehrsbehörde, auf sämtlichen innerhalb des Gemeindegebiets verlaufenden Abschnitten der A1, A7 und A39 eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h anzuordnen. Ziel ist es, die nächtlichen Lärmpegel unter den Grenzwert von 55 dB(A) zu senken – einen Wert, den derzeit erschreckend viele Seevetal-Bürgerinnen und -Bürger nicht erleben.

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Zahlen, die aufhorchen lassen

Die Datenlage ist eindeutig: Laut Gutachten der Autobahn AG sind fast 75 Prozent der Bevölkerung Lärmpegeln von über 55 dB(A) LDEN ausgesetzt. Ein Viertel leidet nachts unter Pegeln von über 55 dB(A), knapp 20 Prozent sogar unter sehr hohen nächtlichen Belastungen von über 60 dB(A). Trotz zahlreicher bereits vorhandener Lärmschutzwände kommt es im nahezu gesamten Gemeindegebiet entlang der Autobahnen zu hohen und teils sehr hohen Lärmpegeln – besonders in den Nachtstunden, wenn der Körper Ruhe am dringendsten braucht.

Dabei sind die gesundheitlichen Folgen dauerhafter Lärmbelastung längst wissenschaftlich belegt: Schlafstörungen, depressive Episoden, ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall gehören dazu. Auch die Nutzbarkeit von Gärten, Terrassen, Balkonen und Naherholungsflächen leidet erheblich.

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Bürgermeisterin Weede: „Wir haben jetzt einen Hebel“

Bürgermeisterin Emily Weede sieht in dem Gutachten der Autobahn AG einen entscheidenden Schritt: „Durch das Gutachten hat die Gemeinde nun auch die rechtliche Möglichkeit, Lärmschutzmaßnahmen einzufordern. Wir sind froh, die Lärmproblematik jetzt aktiv angehen zu können.“ Statt zunächst auf teure bauliche Maßnahmen wie neue Lärmschutzwände zu setzen, setzt die Gemeinde auf das schnell wirksame und vergleichsweise kostengünstige Mittel der Temporeduzierung. „Wir werden keine zusätzliche Verlärmung von Seevetal zulassen – im Gegenteil: Wir wollen den Lärmpegel für Anwohnerinnen und Anwohner senken. Dass dies ein langer Weg wird, ist uns klar. Aber wir gehen ihn jetzt konsequent.“

Die Europäische Union verpflichtet Kommunen über die Umgebungslärmrichtlinie dazu, Lärmprobleme zu erfassen und Maßnahmen zu entwickeln. Seevetal hat diese Pflicht nicht nur erfüllt, sondern zieht nun auch Konsequenzen.

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Den Lärmaktionsplan der Gemeinde Seevetal gibt es unter www.seevetal.de/lap.

Redaktion

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2 Kommentare

  1. Gut so! Die meisten Menschen verbringen ihr Lebdn nicht beim Auto fahren, schon gar nicht nachts.
    Die besten Vorschriften und Gesetze nützen nichts, wenn nicht eingehalten, durchgetzt und die Einhaltung kontrolliert wird

  2. Die Initiative der Gemeinde Seevetal ist natürlich vollumfänglich zu begrüßen. Wegen mir bundesweit auf allen BAB Tempo 80. Na, ich will mal nicht so sein… 100 für PKW.
    Mir fehlt aber was bei solchen Diskussionen. Die Frage nämlich, wie es eigentlich dazu kam, dass der Verkehrslärm die örtliche Politik zu solchen Verzweifelungstaten treibt. Dazu ein Ausflug in die Physik. (rumdozier:)
    Es gibt einen Zusammenhang zwischen Reifenbreite und Lärmbelastung. Je schmaler der Reifen, desto geringer die Rollgeräusche. Umgekehrt gilt: Je breiter der Reifen und je höher das Fahrzeuggewicht, desto mehr Krach, besonders auf altem Asphalt und noch viel mehr bei Nässe.
    So.
    Und was beobachten wir seit Jahr unt Tag? Dass die Autos immer fetter und die Reifen immer breiter werden. Das zischt nicht mehr, das sagt „WOSCH!“, wenn der bei Regen an dir vorbeirauscht. Und wenn das 100 tun, die 100 und mehr fahren, dann gibt das so ein eigenartig heulendes Grundrauschen, wie wir es im Seevetal genießen dürfen.
    Wären die SUVs nun Kabinenroller mit Elektrontrieb, wäre Ruhe im Karton. Vielleicht kommen wir da eines Tages hin. Bis dahin ist Tempo 80 wenigstens ein Schritt nach vorn. Ich wünsche den Seevetaler/innen viel Erfolg.

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