Schockanrufe, falsche Polizisten, Enkeltrick: So schützen sich Bürger vor perfiden Betrugsmaschen
Stade – Das Telefon klingelt, eine unbekannte Nummer erscheint auf dem Display. Am anderen Ende hört man nur Weinen. „Mama … bitte hilf mir …“ Kurz darauf übernimmt ein Mann das Gespräch, ruhig, bestimmt, sachlich. Er stellt sich als Hauptkommissar der Polizei vor und berichtet von einem schweren Verkehrsunfall, den die Tochter verursacht habe. Eine Person sei gestorben, eine Untersuchungshaft drohe. Nur eine sofortige Kaution könne das verhindern. Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, Angst und Panik übernehmen. Erst später wird vielen Betroffenen klar, dass sie Opfer eines Betrugs geworden sind.
Solche sogenannten Schockanrufe passieren täglich in Deutschland. Sie gehören zu einer Vielzahl gezielter Betrugsmaschen, bei denen Kriminelle gezielt emotionale Ausnahmesituationen ausnutzen. Besonders perfide ist die Kombination aus falschem Polizeibeamten und Schockanruf. Neben angeblichen Polizisten melden sich auch vorgebliche Staatsanwälte, Richter oder Krankenhausmitarbeiter. Ziel ist immer dasselbe: Geld oder Wertsachen zu erlangen.
Die Täter setzen ihre Opfer massiv unter Druck. Dramatische Schilderungen, Zeitnot und das bewusste Verhindern von Rückfragen oder Rückrufen sollen klares Denken unmöglich machen. Häufig halten die Anrufer ihre Opfer über lange Zeit am Telefon, um Kontrolle über die Situation zu behalten. Dabei gilt ein klarer Grundsatz: In Deutschland gibt es keine bar zu zahlenden Kautionen und keine Polizisten, die Geld oder Schmuck abholen. Sobald Geld oder Wertgegenstände verlangt werden, handelt es sich um Betrug.
Neben dem Schockanruf zählt der Enkeltrick zu den bekanntesten Maschen. Der Anruf beginnt oft mit einem vagen „Hallo Oma, ich bin’s“. Nennt das Opfer einen Namen, greifen die Täter diesen auf und bauen darauf eine Geschichte auf. Es folgt eine erfundene Notlage oder ein angeblicher finanzieller Engpass. Das benötigte Geld wird später von einem angeblichen Bekannten abgeholt. Die Beträge variieren und passen sich häufig den Möglichkeiten der Opfer an.
Auch der falsche Polizeibeamte tritt in verschiedenen Varianten auf. Mal geht es um angebliche Einbrüche in der Nachbarschaft, mal um Ermittlungen gegen kriminelle Banden. Um das Vermögen zu sichern, sollen Bargeld, Schmuck oder andere Wertgegenstände übergeben werden. Ebenfalls zunehmend verbreitet sind falsche Mitarbeiter von Banken, IT-Firmen oder bekannten Unternehmen. Besonders bekannt ist der angebliche Microsoft-Mitarbeiter, der vor Viren warnt und Fernzugriff auf den Computer verlangt. In der Folge werden Schadsoftware installiert, Passwörter ausgespäht oder Überweisungen ausgelöst.
Weiterhin im Umlauf sind Gewinnversprechen, bei denen vor der Auszahlung angeblicher Gewinne Gebühren verlangt werden, sowie Abofallen, bei denen kostenpflichtige Verträge am Telefon untergeschoben werden. Hinzu kommt das sogenannte Smishing, also Phishing per SMS. Dabei werden Nachrichten zu angeblichen Kontosperrungen, Paketproblemen oder Sicherheitsupdates verschickt, um an sensible Daten oder Zugänge zu gelangen. Auch hier taucht der Enkeltrick auf, etwa mit Nachrichten wie „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer“.
Besonders tückisch ist das sogenannte Spoofing. Dabei manipulieren Betrüger die angezeigte Rufnummer, sodass auf dem Display scheinbar die Nummer einer Bank, Behörde oder eines bekannten Unternehmens erscheint. Ein vertraut wirkender Name oder eine bekannte Nummer ist daher kein Beweis für einen echten Anruf. Rückrufe über die Anrufliste können sogar bei der echten Institution landen, obwohl der ursprüngliche Anruf von Kriminellen stammte.
Grundsätzlich gilt: Bei unbekannten Nummern sollte man nicht ans Telefon gehen. Seriöse Anrufer hinterlassen eine Nachricht. Wer dennoch abnimmt, sollte sich nicht mit Namen melden und keine persönlichen Informationen preisgeben. Codes aus SMS oder App-Abfragen dürfen niemals weitergegeben oder bestätigt werden. Banken oder Behörden fordern dazu niemals telefonisch auf. Wer unsicher ist, sollte das Gespräch sofort beenden. Auflegen ist richtig und notwendig.
Zusätzlichen Schutz kann ein innerhalb der Familie vereinbartes Codewort bieten, das bei echten Notfällen genannt werden muss. Auch bei verdächtigen SMS gilt: Keine Links anklicken, keine Daten eingeben, nicht antworten, sondern die Nummer sperren. Selbst scheinbar harmlose Reaktionen signalisieren den Tätern, dass hinter der Nummer eine reale Person steckt.
Verdächtige Anrufe oder Nachrichten sollten der Polizei gemeldet werden. Für weitere Informationen und Beratung steht die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle der Polizeiinspektion Stade unter der Rufnummer 04141 102 109 zur Verfügung.

