FDP schlägt Alarm: Droht Harburg ein neuer Bildungsstau?
Harburg – Größere Klassen, weniger Vertretungsreserven und nach Berechnungen der FDP langfristig Hunderte wegfallende Lehrerstellen: Die FDP-Fraktion Harburg schlägt wegen der geplanten Veränderungen an Hamburgs Schulen Alarm. Besonders für Harburg könnten Einsparungen und eine knappere Personalausstattung schwerwiegende Folgen haben, warnt die Partei. Sie fordert den rot-grünen Senat auf, bei den anstehenden Haushaltsberatungen gegenzusteuern.
„Harburg darf beim Bildungsaufstieg nicht abgehängt werden“, erklärt der Vorsitzende der FDP-Fraktion Harburg, Dirk Kannengießer. Nach Darstellung der Liberalen sollen bis 2030 hamburgweit insgesamt 223 Lehrerstellen an Gymnasien dauerhaft wegfallen. Bereits ab dem Schuljahr 2027/28 würden durch Veränderungen bei Klassenfrequenzen und Vertretungsreserven rechnerisch mehr als 121 Stellen eingespart. Diese Zahl wird auch von der Hamburger FDP auf Landesebene genannt.
Für Kannengießer geht es dabei nicht allein um abstrakte Stellenpläne. Harburg habe Schulen mit sehr unterschiedlichen sozialen Voraussetzungen und brauche deshalb ausreichend Personal, um Kindern unabhängig von ihrer Herkunft echte Aufstiegschancen zu ermöglichen. Gerade dort, wo zusätzlicher Förderbedarf bestehe, könne eine schlechtere Personalausstattung besonders spürbar werden.
Größere Klassen und weniger Reserve sorgen für Kritik
Nach Angaben der FDP sollen sich ab 2027/28 unter anderem die Berechnungsgrundlagen für die Personalausstattung der Gymnasien verändern. In den Klassenstufen 7 bis 10 soll die zugrunde gelegte Klassenfrequenz von 24 auf 25 Schüler steigen, in der Oberstufe von 22 auf 24. Gleichzeitig soll die Vertretungsreserve von vier auf drei Prozent sinken.
Auch die angekündigten Veränderungen bei der Arbeitszeit der Lehrer sorgen für Kritik. Der FDP-Landesvorsitzende Finn Ole Ritter wirft dem Senat vor, den Beschäftigten mehr abzuverlangen und gleichzeitig Personalressourcen einzuschränken. Die Liberalen kritisieren zudem Einschnitte bei der Schulbegleitung und eine aus ihrer Sicht zu restriktive Einstellungspolitik.
Bei der Schulbegleitung gibt es derzeit tatsächlich eine breite Auseinandersetzung in Hamburg. Elternvertreter, Schulen und die GEW haben öffentlich Kritik an Veränderungen und Kürzungen geäußert. Die Schulbehörde wiederum betont, die Beschulung und Teilhabe von Kindern mit Förderbedarf müsse weiterhin gewährleistet werden.
Die Sicht des Senats auf den Bildungshaushalt fällt grundsätzlich anders aus als die Darstellung der FDP. Nach Angaben des Senats wächst das Volumen der Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung 2027 gegenüber 2026 insgesamt um rund sieben Prozent auf 6,36 Milliarden Euro. Der Senat betont außerdem, dass die bestehenden gesetzlichen Klassenhöchstgrenzen erhalten bleiben sollen. Die zusätzliche Wochenarbeitsstunde für Lehrer solle nach Senatsangaben nicht zu einer zusätzlichen Unterrichtsstunde führen, sondern für gemeinsame Qualitäts- und Unterrichtsentwicklung eingesetzt werden.
Damit prallen zwei Bewertungen aufeinander: Während der Senat auf einen insgesamt wachsenden Etat und Investitionen in Bildungsangebote verweist, sieht die FDP bei der konkreten Personalausstattung der Schulen einen deutlichen Sparkurs.
FDP warnt besonders vor Folgen für Harburg
In Harburg verweist die FDP auch auf das Startchancenprogramm. Unter anderem profitieren die Stadtteilschule Süderelbe und die Ganztagsgrundschule Am Johannisland davon. Grundsätzlich begrüßt Kannengießer diese zusätzliche Förderung. Programme allein seien für ihn jedoch kein ausreichender Maßstab.
„Der Erfolg eines Förderprogramms bemisst sich nicht an der Zahl gestarteter Projekte, sondern daran, ob ein Kind nach der Förderung tatsächlich mehr kann als vorher“, erklärt der Fraktionsvorsitzende. Ohne genügend Personal könnten nach Ansicht der FDP selbst gute pädagogische Konzepte ihre Wirkung nicht vollständig entfalten.
Zusätzlichen Druck erhält die politische Diskussion durch die erst am 8. September veröffentlichten Ergebnisse der PISA-Studie 2025. Die Leistungen der 15-Jährigen in Deutschland liegen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften inzwischen nahe am OECD-Durchschnitt. Gleichzeitig erreichte ein erheblicher Anteil das grundlegende Kompetenzniveau nicht: In Mathematik lagen 34 Prozent unter Kompetenzstufe 2, beim Lesen 32 Prozent und in den Naturwissenschaften 27 Prozent. Die deutschen Ergebnisse in Mathematik und Lesen verschlechterten sich gegenüber 2022; langfristig wurden in allen drei Bereichen die niedrigsten bislang für Deutschland gemessenen PISA-Werte festgestellt.
Die FDP sieht darin ein deutliches Warnsignal. „Wenn wir die PISA-Ergebnisse ernst nehmen, ist eine Kurskorrektur beim Bildungshaushalt zwingend erforderlich statt größerer Klassen, geringerer Vertretungsreserven und weniger Personal“, erklärt Kannengießer.
Dabei ist die Personallage an Hamburgs Schulen durchaus widersprüchlich. Zum Schuljahresbeginn 2026/27 meldete die Schulbehörde insgesamt 112 zusätzliche Lehrerstellen an den allgemeinbildenden Schulen und bezeichnete die Versorgung als gut. Gleichzeitig wurde im Schulausschuss deutlich, dass im geplanten Haushalt 2027/28 praktisch keine zusätzlichen Lehrerstellen vorgesehen sind.
Genau diese Entwicklung nimmt die Harburger FDP ins Visier. Sie fordert, geplante Kürzungen bei Personal und Unterstützungsangeboten zurückzunehmen und die Auswirkungen auf einzelne Bezirke genauer zu betrachten.
Für Kannengießer muss sich Bildungspolitik letztlich an Ergebnissen messen lassen. Harburg brauche keine Förderprogramme um ihrer selbst willen, sondern nachweisbare Verbesserungen für die Schüler. Sein Ziel sei, dass in einigen Jahren nicht mehr darüber diskutiert werde, warum der Bezirk bei bestimmten Bildungswerten zurückliege, sondern anhand transparenter Daten gezeigt werden könne, dass bestehende Lücken geschlossen wurden.
Ob die Bürgerschaft im Zuge der Haushaltsberatungen noch Änderungen an den Planungen vornimmt, bleibt abzuwarten. Sicher ist schon jetzt: Die Frage, wie viel Personal Hamburgs Schulen künftig zur Verfügung steht, dürfte zu einem der besonders umkämpften Themen der kommenden Monate werden.

Eigentlich weiß ich nicht, wo ich hier anfangen soll. Zuviel ist einfach mal aus dem Konvolut von Überschriften hier zu einer oberflächlichen und leider zu sehr politisch motivierten Pauschalbeschreibung zusammengefasst. Wohl jedes Bundesland sieht, was in Hamburg in den vergangenen Jahren gut gelaufen ist. Unvorstellbare Investitionen in Schulbau haben Lernorte entstehen lassen, die auch wirklich nichts mehr damit zu tun haben, was wir vielleicht noch in unseren Erinnerungen haben. Datengestütztes Leistungs- und Kompetenzmonitoring mit individuellen Rückmeldungen bis hinunter auf Schüler:innen-Ebene. Hamburg stellt seit Jahren kontinuierlich Lehrer:Innen ein – auch in Zeiten, in denen andere Bundesländer dies nicht gemacht haben. Und Hamburg ist als Arbeitgeberin für Lehrer:Innen attraktiv. Auch das zeigen die Zahlen.
Aber auch Hamburg steht vor Herausforderungen. Unsere Schülerinnen und Schüler sind die Kinder einer offenen Großstadt. Mit der ganzen Bandbreite an kulturellen, sozialen und ökonomischen Besonderheiten. Das fordert alle heraus. Kinder, Eltern und Lehrer:innen. Schule heute wird dem nicht mehr mit den Ideen von gestern gerecht. Schule braucht nicht mehr vom Gleichen, sondern mehr vom Notwendigen. Dazu gehören Lerntherapie, Sonder- und Sozialpädagogik, Inklusionspädagogik. Nicht als Ersatz für die Lehrerin oder den Lehrer sondern als Ergänzung und Entlastung für diese. Damit sie sich wieder den Aufgaben widmen können, für die sie diesen Beruf gewählt haben.
Gerade hier setzt das Startchancen-Programm an. Übrigens ist so etwas nichts Neues für Hamburg. Mit „23+ Starke Schulen“ hat Hamburg Erfahrungen darin gesammelt. Inzwischen ist dies im Startchancen-Programm aufgegangen und auf fast 100 Schulen aufgewachsen. Ein Dutzend davon liegen im Bezirk Harburg: Ganztagssgrundschule Johannisland, Georg-Kerschensteiner-Grundschule, Grundschule An der Haake, Schule Am Park, Schule Cranz, Schule Dempwolffstraße, Schule Grumbrechtsstraße, Schule Kapellenweg, Schule Ohrnsweg, Elisabeth-Lange-Schule, Schule Maretstraße und Stadtteilschule Süderelbe.
Und wenn wir die PISA-Ergebnisse wirklich ernst nehmen, müssen wir nicht über mehr Geld in das gleiche System nachdenken, sondern über eine effiziente Verteilung der vorhandenen Ressourcen im System und damit auch über eine Weiterentwicklung des Systems. Das Prinzip der effizienten Ressourcenallokation war doch irgendwann auch mal ein Kerngebiet der FDP. Erinnert sich noch jemand?
Herrn Kannengießers Wortmeldung ist teilweise unverständlich. Was hat der Wegfall von Lehrerstellen an Gymnasien mit PISA zu tun? Mit mangelnden Basiskompetenzen geht man nicht aufs Gymnasium.Unser Sohn ging aufs Gymnasium (Heisenberg), unsere Tochter hat ihr Abi in der GSH gemacht. Aus meiner Sicht war die GSH die engagiertere Schule.Das Mantra der FDP, der Markt würde alles regeln, hat bildungsmäßig in den Abgrund geführt. Social Media sind rein marktgesteuert und haben den jetzt jüngeren Generationen einen Bärendienst erwiesen. Es kommt nämlich auf den Input an- und wenn man in den Postings einmal jeden Rechtschreibfehler rot markieren würde, wäre da mehr Rot als Schwarz. Eltern kommen nach der Arbeit schlapp und grau nach Hause und sind kaum in der Lage, ihren Kindern das Vorbild zu sein, das es für einen Bildungserfolg braucht. Dafür müssten die Kinder ihre Eltern lesend sehen, es bräuchte unendliche Erklärungen, WARUM etwas so ist wie es ist und vor allem, wie man komplexe Sachverhalte strukturieren muss, um Lösungen zu finden. Für die FDP scheint es nur ein Kriterium zu geben, und das ist die Wirtschaftlichkeit. Dem ordnet sie alles unter- und dann bleibt keine Kraft und keine Zeit mehr für all die Dinge, die mehr Zeit erfordern als drei Smilies zu posten. Mich wundern die PISA-Ergebnisse nicht… und die FDP ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.
Herrn Kannegiesser ist eine Sirene im Dauerbetrieb. Nützt nix, nervt nur.
Was ist das eigentlich noch für ein Laden, den er angeblich vertritt, die FDP? Wofür steht die nochmal? Weiss keiner so recht, was die Wahlergebnisse beweisen.