Umwelt

A26 Ost unter Beschuss: Verbände sehen Klimaprüfung als unzureichend an

Hamburg – Die geplante A26 Ost sorgt erneut für heftige Kritik. BUND und NABU Hamburg haben im Planergänzungsverfahren eine gemeinsame Stellungnahme eingereicht und werfen der DEGES vor, die vom Bundesverwaltungsgericht verlangte neue Klimaprüfung nicht ausreichend ergebnisoffen vorgenommen zu haben. Besonders brisant aus Sicht der Umweltverbände: Drei untersuchte Alternativtrassen schneiden beim Klimaschutz besser ab als die weiterhin bevorzugte Variante Süd 1.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte die bisherigen Planungen für rechtswidrig erklärt, weil die Klimawirkungen bei der Auswahl der Trasse nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Daraufhin musste die DEGES, die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH, ihre Unterlagen überarbeiten.

Für BUND und NABU reicht das Ergebnis dieser Planergänzung jedoch nicht aus. „Wenn ein Gericht eine neue Klimaprüfung für eine Fernstraße verlangt, ein Novum in der deutschen Rechtsgeschichte, muss diese ernsthaft und sachlich erfolgen und ergebnisoffen durchgeführt werden. Eine Planergänzung darf nicht bedeuten, dass dasselbe Ergebnis lediglich mit mehr Text begründet wird“, kritisieren die Verbände.

Aus ihrer Sicht müsse die Planfeststellungsbehörde Konsequenzen daraus ziehen, dass gleich drei Alternativen hinsichtlich ihrer Klimawirkung günstiger bewertet werden als die Variante Süd 1.

Streit um 66 Hektar Torfboden

Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die Moor- und Torfböden entlang der geplanten Trasse. Nach Angaben der Verbände führt Süd 1 durch einen zusammenhängenden Torfkörper mit einer Fläche von rund 66 Hektar. Die DEGES berücksichtigt in ihrer Berechnung demnach jedoch nur rund 21,1 Hektar direkt betroffene Torfböden.

BUND und NABU halten diese Betrachtung für zu kurz gegriffen. Eine Autobahn könne auch über die unmittelbar versiegelte Fläche hinaus Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der Torfböden haben. Nach Einschätzung der Verbände werde auf rund 46 Hektar verhindert, dass das Gebiet künftig wiedervernässt und damit als CO₂-Speicher genutzt werden könne.

„Aus einem 66 Hektar großen Moorkörper kann man für die Klimabetrachtung nicht einfach ein 21-Hektar-Problem machen“, erklären BUND und NABU. Sie verweisen zudem darauf, dass das Bundesverwaltungsgericht Mooren und der Vermeidung ihrer Inanspruchnahme einen eigenständigen klimarelevanten Wert zugesprochen habe.

Kritik üben die Verbände außerdem am geplanten Umgang mit dem beim Bau anfallenden Torf. Während die Wiederherstellung von Mooren als CO₂-Senke in den Unterlagen wegen klimatischer Veränderungen teilweise als fragwürdig dargestellt werde, solle der verdichtete und nasse Wiedereinbau von Torf gleichzeitig positiv in die Klimabilanz einfließen.

Für BUND und NABU ist das widersprüchlich. Sie verweisen unter anderem auf Wiedervernässungsmaßnahmen in Neuland und vertreten die Auffassung, dass auch schwierige Moorstandorte wieder als CO₂-Speicher entwickelt werden können.

Verbände zweifeln an positiver CO₂-Bilanz der Autobahn

Auch die von der DEGES berechnete CO₂-Einsparung durch die A26 Ost stellen die Umweltverbände infrage. Für das Prognosejahr 2035 wird demnach mit rund 48.599 Tonnen weniger CO₂ gegenüber einem Szenario ohne die Autobahn gerechnet. Als Gründe werden ein besserer Verkehrsfluss und Verkehrsverlagerungen genannt.

Nach Auffassung von BUND und NABU bildet diese Zahl die langfristigen Klimawirkungen des Projekts jedoch nur unzureichend ab. Die Berechnung beziehe sich auf ein einzelnes Prognosejahr. Gleichzeitig werde sich der Einfluss des Straßenverkehrs auf die CO₂-Bilanz mit einem steigenden Anteil von Elektroautos verändern.

Darüber hinaus müsse bei einer Autobahn, die über Jahrzehnte genutzt werde, nicht allein der Verkehrsfluss betrachtet werden. Auch der Bau, der dauerhafte Flächenverbrauch, Unterhaltung und mögliche Schäden an Moor- und Torfböden müssten berücksichtigt werden.

„Weniger Stau macht eine neue Autobahn nicht zum Klimaschutzprojekt“, erklären BUND und NABU. Die Klimawirkung einer solchen Infrastruktur müsse nach Ansicht der Verbände langfristig und umfassend bewertet werden.

Mit ihrer Stellungnahme erhöhen die beiden Umweltverbände damit erneut den Druck auf die Planfeststellungsbehörde. Ob die Kritik Einfluss auf die weitere Planung oder die Wahl der endgültigen Trasse haben wird, bleibt abzuwarten.

Ein Kommentar

  1. Komplett unverständlich, wie man in der heutigen Zeit trotz vorhandener Alternativen unbedingt die schädlichste und wohl auch teuerste Möglichkeit mit Gewalt durchsetzen will. Ist es so ein Ingenieuersding: Wir wollen es da, weil es dort am schwersten ist. Analog zur Kennedys Ankündigigung zur geplanten Mondlandung? Oder stecken finanzielle Interessen einzeler Akteure dahinter?
    Was auch immer., die Zukunft künftiger Generationen sind offenkundig nur ein sentimenaler Spruch. An die Zukunft glauben solche Leute nicht. Absahenen was geht und nach mir die Sintfllut ist das Motto!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"