Politik

Wut und Entsetzen in Harburg: Blockade bei Umbenennung von belasteten Straßennamen!

Harburg – Die Entscheidung sorgt für tiefes Entsetzen und eine emotionale Debatte im Bezirk. Die Grünen und die Linke in der Bezirksversammlung Harburg bedauern zutiefst, dass CDU, AfD, FDP und fraktionslose SPD-Abgeordnete in der Sitzung am 30. Juni die dringend notwendige Umbenennung des Albert-Schäfer-Wegs und der Gaiserstraße blockiert haben. Damit wurde eine historische Chance vertan, ein klares Zeichen gegen die anhaltende Ehrung von historischen Unrechtstätern im öffentlichen Raum zu setzen. Die Linksfraktion wirft der CDU-geführten Mehrheit vor, die Augen vor der wissenschaftlich bewiesenen kolonialen Vergangenheit Harburgs zu verschließen.

Ein Schlag ins Gesicht für eine würdige Erinnerungskultur

Die Expertenkommission zur Überprüfung NS-belasteter und kolonialer Straßennamen hatte die Umbenennung der beiden Straßen ausdrücklich empfohlen. Dass diese wissenschaftlich fundierten Ratschläge nun blockiert und von den Gegenstimmen im Bezirk als rein ideologisch abgetan werden, stößt bei den Antragsstellern auf völliges Unverständnis. Erst vor wenigen Wochen legten die Historiker Annika Bärwald und Dr. Yves Schmitz ihren umfassenden Abschlussbericht „Koloniales Harburg“ im Kulturausschuss Harburg vor. Dieser Bericht basiert auf einer Initiative der Linken aus dem Jahr 2021 und belegt detailliert die tiefen Verflechtungen Harburger Unternehmerdynastien mit kolonialem Unrecht. Wer im Angesicht dieser wissenschaftlichen Fakten von einem Erfolg für Harburg spricht, betreibt laut Heiko Langanke von der Linken eine bewusste koloniale Amnesie.

Die düstere Vergangenheit der beiden Namensgeber im Detail

Hinter den Straßennamen stehen schwere historische Verfehlungen, die nicht länger totgeschwiegen werden dürfen. Albert Schäfer war als Vorstandsvorsitzender der Phoenix-Werke für den brutalen Einsatz von Zwangsarbeitern verantwortlich und trieb die nationalsozialistische Arisierung voran, indem er seinen jüdischen Geschäftspartner Max Goldschmidt aus der Firma drängte. Die Gaiserstraße erinnert an Gottlieb Leonhard Gaiser, der eine zentrale Rolle bei den deutschen Kolonialverbrechen in Westafrika spielte, eine eigene Privatkolonie in Nigeria anstrebte und seinen Reichtum auf rücksichtsloser Ausbeutung aufbaute. Die von der CDU proklamierte Beruhigung für die Anwohner entpuppt sich als das bewusste Totschweigen unbequemer Geschichte, doch für Simon Dhemija von der Linken ist klar, dass die Debatte um Harburgs koloniales Erbe jetzt erst richtig anfängt.

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3 Kommentare

  1. Warum entfernen und damit aus dem Gedächtnis löschen? Unter jedem Schild eines Verbrechers gehört ein Schild mit der Tatbeschreibung als Mahntafel, damit die Bürger erkennen, was schlechte Politik ist.

  2. Wie lange ist die Vergangenheit der Namensgeber denn schon bekannt? Warum erst jetzt diese Aufregung?
    Es gibt wirklich dringendere Probleme, gerade mit Blick auf die Zukunft, die durch die „Politik“ von Merz, Reiche, Trump und Co. buchstäblich „verheizt“ wird. Und die Alternative der AfD ist, Kopf in den Sand stecken und zusehen, das man für sich und die seinen noch ordentlich viel einsacken kann, bevor Schluß ist.

  3. Wird eine Straße nach einem Bürger der Stadt benannt, so ist das eine Ehre.
    Ehre, wem Ehre gebührt. Das heißt aber im Umkehrschluss: Keine Ehre, wem keine gebührt. Das hat in diesem Fall was mit dem moralischen Kompass zu tun, und da muss man doch sagen, dass CDU, AfD und FDP diesen in sehr unangenehmer Weise vermissen lassen.

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