Hamburg-Cranz – Erhebliche Schäden durch Wildschweine sorgen am Cranzer Hauptdeich, Neuenfelder Hauptdeich und Finkenwerder Hauptdeich West für Besorgnis. Nach Schätzungen der örtlichen Jägerschaft halten sich rund 80 bis 100 Wildschweine in dem Gebiet auf. Die Tiere haben insbesondere am Deichfuß die schützende Grasnarbe aufgewühlt und damit Schäden verursacht, die mit Blick auf den Hochwasserschutz nicht unterschätzt werden dürfen. Die zuständigen Behörden haben inzwischen reagiert und erste Schutzmaßnahmen umgesetzt.

Nach Informationen der Hamburger Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) wurde zwischen dem Neuenfelder Hauptdeich und dem Finkenwerder Hauptdeich West bereits ein Zaun errichtet. Dieser soll verhindern, dass sich die Wildschweine weiter ausbreiten und zusätzliche Schäden am Finkenwerder Hauptdeich West verursachen.

Wildschweine dürfen auch im Naturschutzgebiet bejagt werden

Zunächst bestand Unsicherheit darüber, ob eine Bejagung der Tiere auch innerhalb des betroffenen Naturschutzgebietes zulässig ist. Diese Frage wurde inzwischen geklärt. Nach Angaben der BUKEA dürfen Wildschweine auf dem Deich sowie im bewaldeten und verbuschten Ufersaum ohne entsprechende Einschränkungen bejagt werden. Zur Gefahrenabwehr ist die Jagd ausdrücklich auch im Naturschutzgebiet möglich.

Das zuständige Naturschutzamt hat der Hamburg Port Authority (HPA) eine entsprechende Freistellung sowohl für die Bejagung als auch für den errichteten Schutzzaun übermittelt. Die HPA hat sich bereits mit der örtlichen Jägerschaft abgestimmt, während die Jagdaufsicht die betroffenen Gemeinschaftsjagdbezirke informiert hat. Sollte es bei der Umsetzung zu Verzögerungen kommen, erwägt die HPA alternativ, den Jäger des Airbus-Werks einzusetzen.

Beschädigte Grasnarbe wird wiederhergestellt

Auch die Beseitigung der bereits entstandenen Schäden läuft. Aufgewühlte Bereiche werden mit Boden aufgefüllt, anschließend gewalzt und neu eingesät. Bis die Grasnarbe vollständig nachgewachsen ist, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Voraussichtlich werden die betroffenen Flächen erst im kommenden Frühjahr wieder grün sein.

Die BUKEA versichert, dass sich der Deich trotz der Schäden weiterhin in einem ausreichend widerstandsfähigen Zustand befindet. Diese Einschätzung wurde nach Behördenangaben auch bei der Deichschau Süderelbe durch den Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) beziehungsweise die Deichverteidigung bestätigt. Zudem verfügt der Hauptdeich auf seiner Wasserseite über eine Pflasterung, die von den Wildschweinen nicht beschädigt wurde.

Die schnelle Zusammenarbeit zwischen Umweltbehörde, HPA, Naturschutzamt und Jägerschaft zeigt, welche Bedeutung dem Erhalt der Deichsicherheit beigemessen wird. Gerade in den tiefliegenden Gebieten entlang der Süderelbe sind intakte Deiche für den Schutz vor Hochwasser unverzichtbar.

In diesem Zusammenhang richtet sich ein wichtiger Hinweis auch an Hundebesitzer: Hunde dürfen keinesfalls am Deich oder am Deichfuß graben. Denn auch dadurch kann die schützende Grasnarbe beschädigt werden. Was zunächst wie ein harmloses Loch aussieht, kann die empfindliche Oberfläche eines Hochwasserschutzdeiches beeinträchtigen.