Überraschender Nachmittag am Kanalplatz: „Boote gegen Rechts“ bringt Leben in den Hafen
Harburg – Eher zufällig führte der Weg unseres Lesers Gisbert Vokrap am Sonnabend gegen 16 Uhr über den Kanalplatz – und damit mitten hinein in die Veranstaltung „Boote gegen Rechts“. Vokrap besuchte die Aktion vor Ort und hielt seine Eindrücke auch mit der Kamera fest. Auf dem Wasser, an den Anlegern und auf dem Platz herrschte reger Betrieb. Die Initiative hatte bereits um 13 Uhr zu einem Wasserkorso aufgerufen, anschließend folgte ab 15 Uhr eine Kundgebung mit Redebeiträgen, Musik und Infoständen.
Die Initiative „Boote gegen Rechts“ stammt nach eigenen Angaben aus der Hamburger Hausboot-Community und veranstaltet die Wasserdemonstration seit 2024. Die Organisatoren erklären, mit der Aktion für Demokratie, Vielfalt und Solidarität sowie gegen Rassismus, Ausgrenzung und rechtsextreme Positionen eintreten zu wollen. Am Kanalplatz kamen nach dem Korso Teilnehmer und Besucher zusammen. Wer nicht nur vom Ufer aus zuschauen wollte, konnte auf teilnehmenden Booten kleine Touren mitmachen und den Harburger Binnenhafen vom Wasser aus erleben.
Ehemaliges Rettungsschiff Sea-Eye öffnet seine Türen
Ein besonderer Anziehungspunkt war die Sea-Eye. Der ehemalige Fischkutter war von 2016 bis 2018 als erstes Rettungsschiff des Vereins Sea-Eye im Mittelmeer im Einsatz. Nach Angaben der Organisation wurden bei mehr als 20 Einsätzen fast 12.000 Menschen aus Seenot gerettet beziehungsweise erstversorgt. Seit 2019 liegt das Schiff im Museumshafen Hamburg-Harburg und dient heute als Dokumentationsschiff für die Themen Flucht und Seenotrettung. Auch Gisbert Vokrap nutzte die Gelegenheit, das Schiff zu besichtigen und Eindrücke von Bord mitzubringen.
Die Sea-Eye ist inzwischen ein fester Bestandteil des Harburger Binnenhafens. Ursprünglich wurde der Kutter 1957 in Boizenburg an der Elbe gebaut und fuhr unter dem Namen „Sternhai“ in der Fischerei. Nach seiner Zeit als Rettungsschiff kam er 2019 nach Harburg. Damit traf bei der Veranstaltung politische Kundgebung auf ein Stück jüngerer Schifffahrtsgeschichte.


Ein Blick unter die Erde: Röhrenbunker am Kanalplatz geöffnet
Nur wenige Meter vom Geschehen auf dem Wasser entfernt wartete noch ein ganz anderer Blick in die Vergangenheit. Auch der historische Röhrenbunker am Kanalplatz war geöffnet. Die Geschichtswerkstatt Harburg hatte eine Besichtigung ermöglicht. Der Bunker wurde 2023 von der Geschichtswerkstatt übernommen und ist nach Angaben des Vereins der bislang einzige begehbare Bunker in Harburg.
So entstand an diesem Sonnabend rund um den Kanalplatz eine ungewöhnliche Mischung: Boote und Kajaks auf dem Wasser, eine politische Kundgebung an Land, Einblicke in die ehemalige Seenotrettung an Bord der Sea-Eye und wenige Schritte weiter Harburger Geschichte tief unter der Erde. Unser Leser Gisbert Vokrap war vor Ort und brachte neben seinen Eindrücken auch das Foto zu diesem Bericht mit.
