Die Raubritter reiten wieder durch Deutschland – nächste Mautstelle: Zapfsäule

Harburg – Die modernen Raubritter brauchen weder Pferd noch Rüstung. Eine Zapfsäule reicht, daneben eine leuchtende Preistafel und davor Menschen, die morgens zur Arbeit müssen. Zum 1. Januar 2027 droht ihnen die nächste zusätzliche Belastung: Dann endet nach geltender Regelung der befristete Tankrabatt. Die steuerliche Entlastung von rund 17 Cent je Liter fällt damit weg, sofern die Politik nicht gegensteuert. Hinzu kommen planmässige Anstiege durch die Co²-Verteuerung.
Natürlich bedeutet das nicht, dass Benzin und Diesel in der Silvesternacht zwangsläufig um exakt diesen Betrag teurer werden. Auch Einkaufspreise und Wettbewerb bestimmen, was auf der Anzeigetafel steht. Aber die Größenordnung lässt sich ausrechnen: Rund 17 Cent zusätzlich wären bei einer Tankfüllung von 50 Litern etwa 8,50 Euro. Wer regelmäßig tanken muss, kann solche Beträge schlecht mit einem Achselzucken verabschieden. Manche Ökonomen rechnen zum 1. Januar sogar mit Erhöhungen von 35-40 Cent pro Liter.
Besonders bequem klingt in dieser Debatte der Rat, das Auto einfach stehen zu lassen. Für jemanden im Schichtdienst, einen Handwerker mit Werkzeug im Wagen oder eine Familie auf dem Land ist das ungefähr so hilfreich wie die Empfehlung, bei steigenden Lebensmittelpreisen weniger Hunger zu haben. Zwischen Hamburgs Süden und den umliegenden Landkreisen ist Mobilität keine theoretische Klimadebatte. Sie muss morgens funktionieren.
Entlastung mit eingebautem Verfallsdatum
Die Bundesregierung hat Gespräche mit der Mineralölwirtschaft angekündigt, um spätestens zum 1. Januar 2027 einen vorübergehenden Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens einzuführen. Das ist zunächst ein politisches Versprechen. Ob daraus eine wirksame Entlastung wird, entscheidet sich an der Umsetzung und schließlich am Preis an der Tankstelle.
„Was wir von solchen Versprechungen halten dürfen? Nichts!“
Genau dort liegt das Ärgernis: Bürger sollen ihre Haushaltskasse zuverlässig planen, während politische Entlastungen ein Verfallsdatum tragen und Anschlusslösungen erst ausgehandelt werden. Wer ohnehin jeden Euro umdreht, braucht keine feierlich angekündigte Atempause. Er braucht die Aussicht, auch nach deren Ende noch zur Arbeit fahren zu können.
Dabei wäre es zu einfach, jeden Tankstellenpächter zum Raubritter zu erklären. Der Mann hinter der Kasse legt weder die staatlichen Steuersätze noch sämtliche Kosten der Lieferkette fest. Die Kritik gehört an die Adresse einer Politik, die Verlässlichkeit verspricht, und einer Mineralölwirtschaft, die nachvollziehbar erklären muss, wie ihre Preise entstehen.
Klimaschutz braucht bezahlbare Alternativen und einen fairen sozialen Ausgleich. Solange Menschen auf ihr Auto angewiesen sind, macht eine höhere Tankrechnung sie zunächst einmal ärmer. Einen zusätzlichen Bus oder eine passende Bahnverbindung zaubert sie nicht herbei.
Die Raubritter unserer Zeit erkennt man deshalb am besten an ihrer Haltung: Sie rechnen damit, dass die Menschen schon bezahlen werden, weil ihnen wenig anderes übrig bleibt. Zum Jahreswechsel muss die Politik zeigen, dass sie mehr kann, als diese Abhängigkeit für drei Monate zu verbilligen.













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