Opferhilfe im Landkreis Harburg: WEISSER RING meldet weiter hohen Unterstützungsbedarf

Landkreis Harburg – Die Außenstelle des WEISSEN RINGS im Landkreis Harburg hat im Jahr 2025 insgesamt 170 Menschen nach erlebten Straftaten begleitet. Damit ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr mit 162 Fällen erneut leicht gestiegen. Der Jahresrückblick zeigt, dass der Bedarf an professioneller und verlässlicher Unterstützung für Betroffene im Landkreis weiterhin auf hohem Niveau bleibt.
Besonders deutlich wird das an der Zusammensetzung der Fälle. Einen Schwerpunkt bildeten Körperverletzungs- und Sexualdelikte. Insgesamt 63 Fälle körperlicher Gewalt sowie 39 Sexualstraftaten machten zusammen rund 60 Prozent aller Unterstützungsleistungen aus. Viele Betroffene suchten Hilfe nach massiven Eingriffen in ihre körperliche und seelische Unversehrtheit.
Das Durchschnittsalter der unterstützten Personen lag bei 42 Jahren. Die jüngste betroffene Person war 7 Jahre alt, die älteste 94. Besonders stark vertreten war die Altersgruppe zwischen 18 und 49 Jahren. Von den betreuten Menschen waren 129 Frauen und 41 Männer. Vor allem bei sexualisierter Gewalt und Übergriffen im persönlichen Umfeld wandten sich überwiegend Frauen an die Opferhilfe.
Neben Gewalt- und Sexualstraftaten spielten auch Nachstellung, Bedrohung und Nötigung eine wichtige Rolle, häufig im Zusammenhang mit Trennungen. Ebenso bearbeitete die Außenstelle Fälle von Raub, Diebstahl und Betrug. Nach Einschätzung des Vereins verlagern sich dabei insbesondere Betrug und Hasskriminalität zunehmend in den digitalen Raum.
Hilfe über die akute Krise hinaus
Im Jahr 2025 betreute die Außenstelle außerdem 11 Angehörige von Opfern tödlicher Gewalt. Die Unterstützung reichte von stabilisierenden Gesprächen über die Vermittlung therapeutischer Hilfe bis hin zur Organisation juristischer Begleitung, etwa im Rahmen von Nebenklagen. Damit zeigt sich, dass Opferhilfe nicht mit der ersten Beratung endet, sondern oft eine längerfristige Begleitung notwendig ist.
Viele der 63 Körperverletzungsdelikte standen im Zusammenhang mit Gewalt im häuslichen Umfeld. Neben sichtbaren Verletzungen leiden Betroffene häufig unter langanhaltenden psychischen Folgen wie Angst, Schlafstörungen oder posttraumatischen Symptomen. Auch unter den 39 Betroffenen von Sexualdelikten befanden sich fünf Minderjährige. Gerade in diesen Fällen sind die seelischen Auswirkungen oft gravierend und belastend über einen langen Zeitraum hinweg.
Um schnelle und unbürokratische Hilfe leisten zu können, stellte die Außenstelle im vergangenen Jahr mehr als 32.000 Euro zur Verfügung. Das Geld wurde unter anderem für anwaltliche Erstgespräche, psychotraumatologische Unterstützung und finanzielle Soforthilfen in akuten Notlagen eingesetzt. „Unser Anliegen ist es, Betroffene schnell, individuell und ohne bürokratische Hürden zu unterstützen – sowohl emotional als auch ganz praktisch. Straftaten hinterlassen oft tiefe Spuren. In dieser schwierigen Zeit lassen wir die Menschen nicht allein“, sagt Vera Theelen, Leiterin der Außenstelle im Landkreis Harburg.
Neben der direkten Hilfe setzt der WEISSE RING auch auf Vernetzung und Prävention. Durch die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern kann Unterstützung zielgerichtet und zeitnah organisiert werden. Ergänzend wurden gemeinsam mit dem TSV Buchholz 08 Kurse zur Selbstbehauptung und Zivilcourage angeboten. Ziel ist es, das Sicherheitsgefühl der Menschen zu stärken und für Gefahrensituationen zu sensibilisieren.
Auch im Ehrenamt gibt es positive Entwicklungen. Aktuell engagieren sich 17 Ehrenamtliche in der Außenstelle für Opfer von Straftaten. Fünf Frauen und ein Mann befinden sich derzeit in der Einarbeitung. Auffällig ist dabei das vergleichsweise junge Alter vieler Interessierter. Vier von ihnen sind jünger als 30 Jahre. Das gilt als wichtiges Signal für die Zukunft der Opferhilfe, weil junge Ehrenamtliche neue Perspektiven einbringen und auch für jüngere Betroffene Ansprechpartner auf Augenhöhe sein können.
Die Auswertung für 2025 macht deutlich, dass Gewalt, Missbrauch und andere Straftaten auch im Landkreis Harburg weiterhin tiefe Spuren hinterlassen. Der WEISSE RING will Betroffenen deshalb auch künftig Halt, Orientierung und neue Perspektiven geben.


