
Vom Hamburger Ozeanriesen bis zum TV-Duell: Der 26. September schrieb Geschichte
Hamburg – Der 26. September verbindet ein Stück Hamburger Schifffahrtsgeschichte mit einem Ereignis, das Jahrzehnte später die politische Kommunikation in den USA nachhaltig prägen sollte. Während 1908 in Hamburg die Zeit der großen Passagierdampfer boomte, standen 1960 erstmals zwei amerikanische Präsidentschaftskandidaten in einem landesweit übertragenen Fernsehduell gegenüber.
Vor 118 Jahren: Die „Cleveland“ steht für Hamburgs große Zeit der Ozeanriesen
Am 26. September 1908 lief bei Blohm & Voss in Hamburg der Passagierdampfer „Cleveland“ vom Stapel. Gebaut wurde das Schiff für die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, kurz Hapag. Mit einer Länge von rund 185 Metern gehörte die „Cleveland“ zu den großen deutschen Passagierschiffen ihrer Zeit.
Nach ihrer Fertigstellung wurde die „Cleveland“ insbesondere im Verkehr zwischen Hamburg und Nordamerika eingesetzt. Später unternahm sie auch ausgedehnte Kreuzfahrten und wechselte im Laufe ihrer Geschichte mehrfach Namen und Eigentümer.
Der Stapellauf erinnert an eine Epoche, in der Hamburg einer der bedeutenden Ausgangspunkte des transatlantischen Passagierverkehrs war. Die Hapag prägte damals den Schiffsverkehr der Hansestadt entscheidend. Historische Bestände im Bundesarchiv dokumentieren die Hamburg-Amerika-Linie bereits für den Zeitraum von 1904 bis 1913.
Vor 66 Jahren: Kennedy und Nixon bringen den Wahlkampf ins Wohnzimmer
Am 26. September 1960 trafen der demokratische Präsidentschaftskandidat John F. Kennedy und der republikanische Kandidat Richard Nixon zum ersten ihrer vier Fernsehduelle aufeinander. Die Debatte wurde aus einem CBS-Studio in Chicago übertragen und beschäftigte sich vor allem mit innenpolitischen Fragen.
Nach Angaben der John F. Kennedy Presidential Library verfolgten schätzungsweise rund 70 Millionen Amerikaner die Übertragung. Fernsehen war inzwischen zum Massenmedium geworden: Während 1950 nur etwa zehn Prozent der amerikanischen Familien über einen Fernseher verfügten, waren es 1960 bereits rund 90 Prozent.
Damit rückten neben den politischen Aussagen auch Auftreten und Körpersprache der Kandidaten stärker in den Blick. Zeitgenössische und spätere Darstellungen beschreiben Kennedy vor der Kamera als gut vorbereitet und selbstsicher. Nixon erholte sich dagegen von einer Knieverletzung und wirkte unter den Studiobedingungen sichtbar anders als sein Kontrahent. Die These, das äußere Erscheinungsbild habe die Wahrnehmung der Debatte entscheidend beeinflusst, wurde später vielfach diskutiert; wie stark das erste TV-Duell tatsächlich den Wahlausgang beeinflusste, lässt sich jedoch nicht eindeutig bestimmen.
Fest steht: Die Präsidentschaftswahl wenige Wochen später fiel äußerst knapp aus. Das Fernsehduell vom 26. September 1960 gilt bis heute als wichtiger Meilenstein in der Geschichte politischer Kommunikation – und als frühes Beispiel dafür, wie stark das Fernsehen die unmittelbare Wahrnehmung von Kandidaten verändern konnte.
