Neues Hotel wird Flüchtlingsunterkunft: FDP warnt vor Folgen für Harburger Binnenhafen
Harburg – Das erst im Mai eröffnete „Holiday Inn – the niu Quay“ im Harburger Binnenhafen wird ab September zur Unterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine. Rund 340 Menschen sollen dort untergebracht werden. Das für Geschäftsreisende, Touristen und Langzeitgäste konzipierte Haus wird damit vorerst nicht mehr regulär als Hotel zur Verfügung stehen. Die FDP-Fraktion Harburg reagiert mit deutlicher Kritik und verlangt vor allem Aufklärung über Kosten, Vertragsdauer und die Auswirkungen auf den Binnenhafen.
Das neue Hotel an der Blohmstraße verfügt über insgesamt 166 Zimmer und Apartments und war erst Anfang Mai 2026 eröffnet worden. Ursprünglich sollte es als neuer touristischer und wirtschaftlicher Baustein den Harburger Binnenhafen beleben.
Nach aktuellen Berichten soll das Haus für mindestens zwei Jahre für die Unterbringung von Geflüchteten genutzt werden. Die FDP-Fraktion Harburg kritisiert dabei nicht die Aufnahme von Menschen aus der Ukraine, sondern die Auswahl des Standorts und die bislang aus ihrer Sicht fehlende Transparenz.
„Hilfe für Menschen, die vor dem russischen Angriffskrieg fliehen, ist selbstverständlich und stellen wir nicht in Frage“, erklärt FDP-Fraktionschef Dirk Kannengießer. Er wolle jedoch wissen, warum ausgerechnet ein neues Hotel in einem wichtigen Harburger Entwicklungsgebiet ausgewählt worden sei, welche Kosten entstehen und wann der Bezirk über die Pläne informiert wurde.
FDP verlangt Offenlegung der Kosten
Im Mittelpunkt der Kritik stehen die finanziellen Bedingungen. Die FDP fordert, dass der Senat die Kosten, die Laufzeit des Vertrags, die geplante Belegung und mögliche Alternativen offenlegt.
Kannengießer verweist darauf, dass Hamburg gleichzeitig das Ziel verfolgt, kostspielige Unterbringungsformen zu reduzieren. Dass nun ein gerade eröffnetes Hotel längerfristig vollständig für die Unterbringung genutzt werde, passe aus seiner Sicht nicht zu diesem Anspruch.
Berichte, wonach für die Unterbringung deutlich höhere Beträge als im regulären Hotelbetrieb gezahlt werden könnten, sind bislang nicht durch veröffentlichte Vertragsdaten der Stadt belegt. Kannengießer fordert deshalb gerade bei diesem Punkt vollständige Transparenz.
Das Hotel entstand als Teil der Entwicklung am Harburger Binnenhafen. Ursprünglich waren 166 Zimmer einschließlich Long-Stay-Apartments vorgesehen, um insbesondere Geschäftsreisende und Besucher des Quartiers anzusprechen. Der Projekteigentümer hatte bei der ursprünglichen Planung von Investitionen in Höhe von 46 Millionen Euro für den Gebäudekomplex aus Hotel, Büro und Gastronomie gesprochen.
Sorge um die weitere Entwicklung des Binnenhafens
Für die FDP geht die Diskussion deshalb über die reine Unterbringungsfrage hinaus. Sie befürchtet, dass der Binnenhafen einen wichtigen Baustein seiner geplanten Entwicklung verliert.
„Investoren setzen Millionen ein, Gastronomie und Unternehmen sollen für Belebung sorgen. Dann wird ein zentraler Baustein dieses Konzepts kurzfristig seiner eigentlichen Funktion entzogen“, kritisiert Kannengießer.
Die Fraktion verlangt zudem Antworten darauf, wann Bezirkspolitik und Harburger Vertreter über die Entscheidung informiert wurden. Besonders die Harburger SPD müsse nach Auffassung der FDP erklären, wann sie von der geplanten Nutzung erfahren habe und welche Position sie gegenüber dem Senat vertreten habe.
Für Kannengießer stehen dabei zwei Interessen nebeneinander: die notwendige Unterstützung von Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind, und die Verantwortung für eine langfristige wirtschaftliche Entwicklung Harburgs.
Fest steht: Das erst wenige Monate alte Hotel wird ab September nicht mehr regulär buchbar sein und zunächst als Unterkunft für Geflüchtete dienen. Wie hoch die tatsächlichen Kosten für Hamburg ausfallen und welche Vertragsdetails vereinbart wurden, ist öffentlich bislang nicht vollständig bekannt.
Wer weiß, vielleicht ist die Unterbringung Geflüchteter die Rettung für den Hotelbetreiber. Sind denn gerade die Horden Geschäftsreisender unterwegs? Für die gäbe es noch nicht mal eine direkte Busverbindung vom Harburger Bahnhof in die Blohmstraße, man müsste an Harburg Rathaus an den völlig überlasteten Haltestellen vom 149er in den 157er umsteigen. Da kommt bestimmt Freude auf. Solange der neue ZOB nicht fertig ist, wird sich daran auch nichts ändern.