Politik

Steigende Netzentgelte: Harburger FDP fordert Klarheit über Hamburgs Energiekosten

Harburg – Die angekündigte Erhöhung der Strom- und Gasnetzentgelte in Hamburg sorgt bei der FDP-Fraktion Harburg für Kritik. Nach den von der Fraktion angeführten Berechnungen sollen die Stromnetzentgelte zum 1. Januar 2027 um neun Prozent und die Gasnetzentgelte um sieben Prozent steigen. Die Liberalen fordern vom Senat und den städtischen Hamburger Energienetzen eine nachvollziehbare Aufstellung der Ursachen sowie ein Konzept zur Begrenzung weiterer Belastungen für Haushalte und Betriebe.

Die Fraktion beruft sich auf Berechnungen des Vergleichsportals Verivox. Demnach verzeichnet Hamburg beim Strom den bundesweit stärksten prozentualen Anstieg, beim Gas den zweithöchsten. Die durchschnittlichen Steigerungen im Bundesgebiet liegen nach diesen Angaben bei 1,9 Prozent für Strom und rund drei Prozent für Gas.

Für einen Haushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden beziffert die FDP die zusätzliche Belastung durch die Stromnetzentgelte auf rund 52 Euro im Jahr. Bei einem Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden kommen rechnerisch etwa 35 Euro hinzu. Zusammen wären das rund 87 Euro jährlich beziehungsweise 7,25 Euro monatlich. Wie sich die gesamte Energierechnung entwickelt, hängt allerdings auch von den übrigen Preisbestandteilen und dem jeweiligen Liefervertrag ab.

FDP verlangt Einblick in Kosten und Investitionen

Der Fraktionsvorsitzende Dirk Kannengießer fordert eine konkrete Erklärung für die Entwicklung in Hamburg. Als Beispiel nennt er seinen Wohnort Neuland nahe der niedersächsischen Landesgrenze: Während die Stromnetzentgelte in Hamburg nach den angeführten Berechnungen um neun Prozent steigen sollen, beträgt der Anstieg im benachbarten Niedersachsen 2,4 Prozent. Aus Sicht der FDP muss der Senat erläutern, weshalb die Entwicklung so deutlich auseinandergeht.

Offengelegt werden sollen insbesondere Investitionen, Betriebskosten, Kosten vorgelagerter Netze und regulatorische Abschreibungen. Außerdem verlangt die Fraktion eine Aufschlüsselung der Gasnetzinvestitionen von 2024 bis 2027. Dabei soll erkennbar werden, welche Mittel in Instandhaltung, sicherheitsbedingten Ersatz, Erweiterungen, Stilllegung, Rückbau oder eine mögliche Umwidmung für Wasserstoff fließen.

Auch den Zusammenhang zwischen Finanzierungskosten, regulierten Erlösen und Gewinnabführungen will die FDP nachvollziehen können. Sie verweist dabei auf eine für das Geschäftsjahr 2025 ausgewiesene Gewinnabführung der Hamburger Energienetze von 130,4 Millionen Euro sowie Gesamtinvestitionen von rund 582 Millionen Euro. Die Fraktion fordert, diese Größen und ihre Bedeutung für die Netzentgelte transparent zu erläutern.

Sorge vor steigenden Kosten für verbleibende Gaskunden

Ein Schwerpunkt der Forderungen ist die Zukunft des Hamburger Gasnetzes. Nach den von der FDP genannten Zahlen sank die transportierte Gasmenge 2024 auf 15,031 Milliarden Kilowattstunden und damit um etwa 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit dem weiteren Umstieg auf Wärmepumpen und Fernwärme erwartet die Fraktion langfristig einen zusätzlichen Verbrauchsrückgang.

Daraus ergibt sich ein Kostenproblem: Die weitgehend festen Ausgaben für den Betrieb des Leitungsnetzes können sich auf geringere Verbrauchsmengen und weniger Anschlüsse verteilen. Die FDP verlangt deshalb eine langfristige Strategie, die auch Haushalte berücksichtigt, die ihre Heizung nicht kurzfristig umstellen können. Zudem soll der Senat darlegen, welchen Einfluss veränderte Abschreibungsregeln für Gasnetze auf die Entgelte haben.

Nach Darstellung der Fraktion hat der Senat in einer Antwort auf eine Bürgerschaftsanfrage erklärt, dass die Hamburger Energienetze ihre Gasnetzinvestitionen reduzieren und keine eigenveranlassten Erweiterungsinvestitionen mehr vornehmen. Der FDP reicht das als Perspektive nicht aus. Sie fordert konkrete Aussagen zum Umgang mit künftig nicht mehr benötigten Leitungen und zur Verteilung der verbleibenden Kosten.

Beim Strom erkennt die Fraktion die Notwendigkeit an, das Netz für Wärmepumpen, Elektromobilität und erneuerbare Energien auszubauen. Dennoch müssten die Wirtschaftlichkeit der Investitionen und die Ursachen des überdurchschnittlichen Entgeltanstiegs nachvollziehbar sein. Auch die Auswirkungen von Bundeszuschüssen sowie Kosten für Netzengpässe und Redispatch sollen nach ihrem Willen offengelegt werden.

Zusätzlich regt die FDP an, mögliche Entlastungen durch regionale Strompreissignale zu prüfen. Ihr Kernanliegen bleibt jedoch eine überprüfbare Begründung der Hamburger Kostenentwicklung. „Nicht jede Kostensteigerung ist vermeidbar – aber jede zusätzliche Belastung muss begründet und auf ihre Notwendigkeit überprüft werden“, erklärt Kannengießer.

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