Neu Wulmstorf im Wandel: SPD-Tour zeigt Chancen für Wirtschaft, Ortskern und Tourismus
Neu Wulmstorf – Wie entwickelt sich die Gemeinde wirtschaftlich, was wird aus dem Ortskern und welche Rolle kann Neu Wulmstorf künftig als Tourismusstandort spielen? Bei der sechsten „Tour de Neu Wulmstorf“ der SPD am 23. August 2026 standen genau diese Fragen im Mittelpunkt. Ratsmitglied und Bauausschussvorsitzender Thomas Grambow sowie Bürgermeister-Kandidat Tobias Handtke führten die Teilnehmer zu mehreren Stationen und erläuterten aktuelle Entwicklungen und Planungen.
Seit 2011 nutzt die SPD Neu Wulmstorf diese Rundgänge, um mit Einwohnern über Erreichtes und künftige Aufgaben zu sprechen. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt auf Wirtschaft, Tourismus, Infrastruktur und Ortsplanung.
„Bei dieser Tour geht es um die wirtschaftlichen Grundlagen der Gemeinde“, erklärte Tobias Handtke zum Auftakt. Erfolgreiche Unternehmen sorgten nicht nur für Gewerbesteuereinnahmen, sondern auch für Arbeitsplätze, moderne Energiekonzepte und wirtschaftliche Stabilität.
Die Gemeinde könne dabei über ihre Flächenplanung wichtige Rahmenbedingungen setzen. Entscheidend sei anschließend jedoch, dass Unternehmen diese Möglichkeiten tatsächlich nutzten, betonte Thomas Grambow. Bei der Gewerbeentwicklung arbeitet Neu Wulmstorf seit Jahren mit der Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg zusammen.
Kantstraße zeigt, wie Gewerbe und Wohnen nebeneinander funktionieren können
Ein Halt führte zu den Gewerbebetrieben rund um die Kantstraße. Dort verwies die SPD auf unterschiedliche Ansätze moderner Unternehmensentwicklung. Dazu gehören Fotovoltaikanlagen, Gründächer und Möglichkeiten einer weitgehend eigenständigen Energieversorgung ebenso wie stark automatisierte Produktionsprozesse und eine hohe Wertschöpfung auf vergleichsweise kleinen Flächen.
Nach der Schließung von Schwarz Cranz sei es zudem wichtig gewesen, die entstandene wirtschaftliche Lücke zu schließen. Die Unternehmen in Neu Wulmstorf ziehen nach Angaben der SPD nicht nur Beschäftigte aus der Gemeinde an. Auch die Zahl der täglichen Berufspendler von außerhalb sei hoch.
Eine Besonderheit der Ortsentwicklung sei die bereits früh verfolgte Verbindung von Gewerbe und Wohnen. Als Beispiel nannte die Gruppe die Lessinghöfe. Das Gelände war früher durch den Lebensmittel-Großhandel geprägt. Nach Veränderungen in dieser Branche konnte dort im Zuge einer Investitionsanfrage Wohnbebauung entwickelt werden.
Auch das frühere Sparkassengebäude rückte bei dem Rundgang in den Mittelpunkt. Die Gemeinde hat die zentral gelegene Immobilie nach dem Umzug der Sparkasse erworben. Welche Nutzung dort künftig entsteht, ist noch offen.
Handtke machte jedoch deutlich, dass die Immobilie nach Vorstellung der Gemeinde nicht einfach an den Meistbietenden verkauft werden soll. Ziel sei vielmehr eine Nutzung mit gesellschaftlichem Mehrwert für den Ortskern, ohne dabei ein unnötiges finanzielles Risiko einzugehen.
Vom Einzelhandel bis zum Tourismus: Der Ortskern steht vor neuen Aufgaben
Leerstände bei Einzelhandelsflächen zeigen gleichzeitig, wie stark sich verändertes Konsumverhalten auf Neu Wulmstorf auswirkt. Der klassische Einzelhandel, wie er die Bahnhofstraße über Jahrzehnte geprägt habe, werde in dieser Form nicht zurückkehren, so die Einschätzung bei der Tour. Der wachsende Internethandel habe die Entwicklung deutlich verändert.
Mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept, kurz ISEK, will die Gemeinde deshalb neue Perspektiven für den Kernort entwickeln. Dabei können auch gewerbliche Nutzungen und Flächen neu betrachtet werden.
Für eine Überraschung sorgte schließlich der Besuch am Hotel-Neubau an der Hauptstraße. Eigentümer Spiridon Pappas berichtete, dass Neu Wulmstorf zunehmend auch bei Touristen gefragt sei. Die Lage zwischen Hamburg, Altem Land und Lüneburger Heide mache den Ort als Ausgangspunkt interessant.
Dass Neu Wulmstorf selbst zum Reiseziel werden kann, zeigte nach seinen Worten eine italienische Reisegruppe. Die Gäste hätten weder Hamburg noch das Alte Land oder die Heide besuchen wollen, sondern seien in Neu Wulmstorf geblieben.
Besonders beeindruckt hätten sie die gepflegten Häuser und Gärten sowie die offen gestalteten Grundstücke. Für die Teilnehmer der SPD-Tour war diese Außensicht ein unerwarteter Denkanstoß: Manche Qualitäten eines Ortes würden für diejenigen, die täglich dort leben, schnell selbstverständlich.
