Landkreis Harburg

Nach fast zehn Jahren: Decatur-Brücke verbindet Maschen und Hörsten wieder

Maschen – Seit Freitagabend um 18 Uhr rollen wieder Fahrzeuge über die Decatur-Brücke zwischen Maschen und Hörsten. Damit ist eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen in Seevetal nach fast zehn Jahren Sperrung wiederhergestellt. Die rund 750 Meter lange Brücke führt über Europas größten Rangierbahnhof und verbindet nicht nur die beiden Ortsteile auf direktem Weg miteinander, sondern erschließt auch wieder die direkte Verbindung zum Bahnhof Maschen.

Bereits am frühen Nachmittag wurde die Brücke feierlich eröffnet. Kurz nach 13 Uhr setzte sich aus Richtung Hörsten ein Konvoi aus mehreren Treckern und zwei Gelenkbussen mit rund 120 geladenen Gästen in Bewegung. Auf der Brücke angekommen, wurde symbolisch das rote Band durchschnitten.

Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne bezeichnete die Wiedereröffnung als guten Tag für Seevetal und die Logistik in Niedersachsen. Mit der Verbindung zwischen Maschen und Hörsten würden wichtige Bahn- und Gewerbestandorte erschlossen. Zugleich würdigte Tonne die Beharrlichkeit der Gemeinde Seevetal bei der Umsetzung des schwierigen Projekts.

Ein Drama mit Happy End nach fast zehn Jahren

Besonders emotional war der Tag für Angelika Tumuschat-Bruhn, Ortsbürgermeisterin von Maschen/Horst/Hörsten und Vorsitzende des Gemeinderates. „Heute ist einer der schönsten Tage, die ich als Maschenerin und Vorsitzende des Gemeinderates Seevetal erleben darf. Zehn Jahre nach der Vollsperrung der Decatur-Brücke findet dieses Drama ein Happy End!“, sagte sie. Endlich gebe es wieder eine Direktverbindung zum Bahnhof Maschen sowie zwischen den Menschen in Maschen und Hörsten.

Die ursprünglich namenlose Brücke wurde 1973 in Betrieb genommen. 2016 folgte die Vollsperrung, nachdem die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet werden konnte. Betonbrocken waren auf die Gleise gefallen, zudem erfüllte das Bauwerk notwendige statische Nachweise nicht mehr. Für die Gemeinde begann damit eine jahrelange Suche nach einer tragfähigen Lösung.

Es folgten Gutachten und Diskussionen über einen möglichen Abriss oder eine Sanierung. Nach dem Amtsantritt von Bürgermeisterin Emily Weede wurde die Entscheidung über die Zukunft des Bauwerks schließlich vorangetrieben. Eine erneute Prüfung der Akten und der Rechtslage ergab nach Angaben der Gemeinde, dass ein Abriss rechtlich nicht zulässig gewesen wäre. Der Gemeinderat unterstützte daraufhin mehrheitlich die Sanierung und Ertüchtigung.

Weede dankte neben dem Gemeinderat insbesondere dem Land Niedersachsen, den beteiligten Unternehmen Strabag und Echterhoff sowie den Mitarbeitern der Gemeinde. „Die Menschen in Seevetal haben lange genug auf ihre Brücke gewartet“, sagte die Bürgermeisterin.

50 Millionen Euro und Arbeiten über rund 55 Bahngleisen

Die eigentliche Instandsetzung der 750 Meter langen Brücke begann 2024 und entwickelte sich zu einem für die Gemeinde außergewöhnlichen Kraftakt. Weil die Brücke über den Rangierbahnhof Maschen führt, konnten die Arbeiten weitgehend nur von oben erfolgen. Gleichzeitig musste bei Bohrungen mit großer Präzision gearbeitet werden, da zahlreiche Spannbetonglieder in Längs- und Querrichtung tief im Bauwerk verlaufen.

Projektleiter Andreas Hein verwies auf die besonderen technischen Herausforderungen. Eine Beschädigung der Spannbetonglieder hätte erhebliche Probleme verursacht. Dass die Arbeiten dennoch erfolgreich durchgeführt werden konnten, sei auch der Arbeit der beteiligten Firmen Echterhoff und Strabag zu verdanken.

Eine Besonderheit der Sanierung sind die neuen Hybridkappen aus Leichtbeton. Sie ersetzen die alten und schweren Stahlbetonkappen. Das von Echterhoff eingesetzte System ermöglicht Arbeiten von oben und war damit für die besonderen Bedingungen über dem Rangierbahnhof geeignet.

Auch logistisch war die Sanierung anspruchsvoll. Unter der Decatur-Brücke verlaufen rund 55 Gleise. Immer wieder mussten einzelne Gleise gesperrt werden. Die teilweise nur 24 Stunden dauernden Sperrpausen müssen nach Angaben der Projektverantwortlichen mitunter mehrere Jahre im Voraus beantragt werden. In diesen Zeitfenstern wurden die jeweiligen Brückensegmente im Sägeschnittverfahren ausgebaut.

Trotz dieser Herausforderungen blieb das Projekt nach Angaben der Gemeinde sowohl im Zeit- als auch im Budgetrahmen. Rund 50 Millionen Euro kosteten die statische Ertüchtigung und Instandsetzung. Das Land Niedersachsen förderte das Vorhaben mit 75 Prozent.

„Dass dies alles geglückt ist und wir heute hier stehen, dafür sind wir unendlich dankbar“, sagte Emily Weede vor dem symbolischen Durchschneiden des roten Bandes. Das Projekt zeige, was erreicht werden könne, wenn alle Beteiligten gemeinsam an einem Ziel arbeiteten.

Der für viele Seevetaler entscheidende Moment folgte schließlich um 18 Uhr: Die Decatur-Brücke wurde offiziell für den Verkehr freigegeben. „Die Brücke ist ja kein Selbstzweck“, betonte Weede. „Dieses Bauwerk ist für die Seevetalerinnen und Seevetaler da. Ich bin sehr froh, dass diese Verbindung nun wieder frei ist.“

Nach fast zehn Jahren endet damit nicht nur eine außergewöhnlich lange Sperrung. Maschen und Hörsten sind wieder direkt miteinander verbunden, der Weg zum Bahnhof Maschen ist frei – und eines der aufwendigsten Infrastrukturprojekte in der Geschichte Seevetals ist abgeschlossen.

Redaktion

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