
Historische Jahrestage: RAF-Urteil in Hamburg und die Tragödie der „Estonia“
Hamburg/Ostsee – Der 28. September steht für zwei Ereignisse, die auf sehr unterschiedliche Weise deutsche und europäische Geschichte geprägt haben. Vor 50 Jahren endete in Hamburg ein umfangreiches Strafverfahren gegen Unterstützer und Mitglieder aus dem Umfeld der Rote Armee Fraktion. 18 Jahre später erschütterte der Untergang der Ostseefähre „Estonia“ Europa. 852 Menschen kamen bei einer der schwersten europäischen Schiffskatastrophen der Nachkriegszeit ums Leben.
Vor 50 Jahren: Haftstrafen im Hamburger RAF-Verfahren
Am 28. September 1976 endete vor dem Landgericht Hamburg ein umfangreiches Verfahren gegen acht Angeklagte aus dem Umfeld der Rote Armee Fraktion. Das Gericht verhängte mehrjährige Freiheitsstrafen zwischen zwei und sieben Jahren. Zu den Verurteilten gehörten Wolfgang Beer, Christa Eckes, Helmut Pohl und Margrit Schiller.
Gegenstand des Verfahrens waren unter anderem Vorwürfe im Zusammenhang mit der Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung sowie Urkundenfälschung, unerlaubter Waffenbesitz und Verstöße gegen das Sprengstoffrecht. Mehrere der Angeklagten waren bereits im Februar 1974 bei zeitgleichen Razzien in Hamburg und Frankfurt festgenommen worden.
Das Urteil fiel in eine Zeit des Umbruchs innerhalb der RAF. Nachdem führende Mitglieder der ersten Generation festgenommen worden waren, formierten sich neue Strukturen. Die folgenden Jahre wurden von weiteren Anschlägen und Gewalttaten der Terrororganisation geprägt. Einige der in Hamburg Verurteilten bewegten sich auch nach ihrer Haftentlassung wieder im Umfeld der RAF beziehungsweise schlossen sich ihr erneut an.
Vor 32 Jahren: Die „Estonia“ versinkt in der Ostsee
In der Nacht zum 28. September 1994 ereignete sich auf der Ostsee eine Katastrophe, die bis heute nachwirkt. Die Fähre „Estonia“ war auf dem Weg von Tallinn nach Stockholm, als sie bei schwerem Seegang in Seenot geriet und innerhalb kurzer Zeit sank. 989 Menschen befanden sich an Bord. Lediglich 137 überlebten, 852 Menschen kamen ums Leben.
Nach den Ergebnissen der offiziellen gemeinsamen Untersuchung Estlands, Finnlands und Schwedens versagte das Bugvisier der Fähre. Dadurch konnte Wasser auf das Fahrzeugdeck eindringen. Die „Estonia“ bekam schnell eine starke Schlagseite, die eine Evakuierung erheblich erschwerte. Das Schiff sank noch während der laufenden Rettungsmaßnahmen.
Der Untergang zählt zu den schwersten europäischen Schiffskatastrophen in Friedenszeiten. Das Wrack liegt weiterhin auf dem Grund der Ostsee. Die Unglücksstelle wurde zur Ruhestätte für einen großen Teil der Opfer und steht unter besonderem Schutz. Auch Jahrzehnte später beschäftigen die genaue Abfolge des Untergangs und Untersuchungen des Wracks Behörden, Experten und Angehörige.
