Harburg blickt auf seine koloniale Vergangenheit: Neue Ausstellung am Lotseplatz
Harburg – Welche Spuren hat der Kolonialismus im Hamburger Süden hinterlassen? Mit dieser Frage beschäftigt sich seit dem 15. September die neue Bauzaunausstellung „Harburg spricht über Kolonialismus“ am Lotseplatz im Harburger Binnenhafen. Bis zum Ende des Jahres sollen dort Texttafeln über wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Verflechtungen informieren und zugleich eine öffentliche Diskussion anstoßen.
Entstanden ist die Ausstellung in Zusammenarbeit von Globales Lernen Harburg, einem Bildungsprojekt des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Hamburg-Ost, dem Verein Tàimakoo sowie ehrenamtlich Engagierten. Unterstützt wird das Projekt durch das Bezirksamt Harburg.
Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Bedeutung koloniale Rohstoffe für den industriellen Aufstieg Harburgs hatten. Anhand verschiedener Beispiele wird gezeigt, wie eng wirtschaftliche Entwicklung und globale Handelsbeziehungen miteinander verbunden waren.
Palmöl zeigt die historischen Verflechtungen
Eine besondere Rolle spielt dabei Palmöl. An diesem Rohstoff soll deutlich werden, wie vielfältig die Verbindungen zwischen Harburg und kolonialen Wirtschaftsstrukturen waren. Die Ausstellung zeichnet nach, wie solche Handelsbeziehungen die bauliche, wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und politische Entwicklung Harburgs mitprägten.
Damit richtet sich der Blick nicht nur auf historische Ereignisse. Die Ausstellung beschäftigt sich auch mit der Frage, welche Folgen kolonialer Strukturen bis heute weltweit und vor Ort zu erkennen sind.
Grundlage der Ausstellung ist der im August 2026 veröffentlichte Abschlussbericht „Koloniales Harburg“ von Annika Bärwald und Dr. Yves Schmitz. Darin wurden Ergebnisse einer sechsmonatigen Archivarbeit zusammengetragen. Auftraggeber waren die Stiftung Historische Museen Hamburg und das Bezirksamt Harburg.
Die Recherche bildet nun einen Ausgangspunkt dafür, die Geschichte nicht allein in Archiven und wissenschaftlichen Berichten zu behandeln, sondern direkt im öffentlichen Raum sichtbar zu machen.
Besucher können eigene Geschichten beitragen
Die Ausstellung versteht sich ausdrücklich als Beginn einer breiteren Auseinandersetzung. Am Ende steht deshalb die Frage: „Kennt Harburg deine Geschichte?“
Besucher sind eingeladen, eigene Perspektiven, Erfahrungen und historische Bezüge einzubringen. Das Projekt soll damit nicht nur Informationen vermitteln, sondern auch Menschen miteinander ins Gespräch bringen.
Unterstützt wurde die Umsetzung unter anderem von der Stiftung Historische Museen Hamburg, dem Archäologischen Museum Hamburg/Stadtmuseum Harburg, der Manchester City Gallery, der Geschichtswerkstatt Harburg sowie dem Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen.
Die Bauzaunausstellung „Harburg spricht über Kolonialismus“ ist bis zum Jahresende am Lotseplatz im Harburger Binnenhafen zu sehen. Interessierte können sich per E-Mail unter info@globales-lernen-harburg.de an Globales Lernen Harburg wenden.
