Harburger Süden am Limit: Frank Wiesner über den Verkehrskollaps vor unserer Tür
Der Verkehrsexperte informiert aus erster Hand
Harburg – Wer in den vergangenen Tagen im Hamburger Süden unterwegs war, weiß: Es reicht manchmal ein einziges ungeplantes Ereignis, um das gesamte Verkehrsnetz zum Erliegen zu bringen. Die Sperrung des Harburger S-Bahntunnels, Baustellen auf den Bahnstrecken nach Berlin und Hannover, die Vollsperrung des Harburger ZOB und ein Wasserrohrbruch auf der B 73 – all das traf gleichzeitig aufeinander und sorgte für teils chaotische Zustände. Besonders bitter: Die Fahrgastinformationen zu alternativen Reisemöglichkeiten, etwa zur Nutzung von Fernverkehrszügen, ließen vielerorts zu wünschen übrig. Ungeplante Störungen machten selbst die wenigen Alternativen schnell zunichte. Dass es kaum Puffer gibt, wenn mehrere Dinge gleichzeitig schiefgehen, zeigte sich zuletzt auch bei der Sperrung des A7-Elbtunnels. Der Hamburger Süden braucht starke Nerven – und die werden in den kommenden Wochen und Monaten noch weiter strapaziert.
A 1 und B 73: Harburg droht der Stau-Sommer
Die A 1 an der Süderelbbrücke wird gleich an mehreren Wochenenden gesperrt: zunächst vom 19. bis 22. Juni sowie vom 26. bis 29. Juni jeweils in Fahrtrichtung Norden zwischen der Anschlussstelle Harburg und Stillhorn. Der Verkehr wird über die Neuländer Straße, die B 75 und die Kornweide umgeleitet – was erfahrungsgemäß auch Bremer und Winsener Straße deutlich stärker belasten dürfte. An den Wochenenden vom 3. bis 6. Juli sowie vom 10. bis 13. Juli ist dann die Gegenrichtung dran: Die Süderelbbrücke ist jeweils ab Freitag 22 Uhr bis Montag 5 Uhr in Richtung Süden nicht befahrbar. Wer auf einen Schleichweg über die Hohe Schaar hofft, wird ebenfalls enttäuscht: Die Retheklappbrücke ist bis zum 5. Juli um 14 Uhr für sämtliche Verkehrsteilnehmer – auch Fußgänger und Radfahrende – vollständig gesperrt. Dazu kommt die B 73 (Cuxhavener Straße), die vom 26. Juni bis 28. August zwischen Neugraben und der Landesgrenze bei Neu Wulmstorf in mehreren Abschnitten saniert wird. Jeweils eine Fahrspur pro Richtung bleibt befahrbar. Die Kreuzungsbereiche an der Neugrabener Bahnhofstraße sowie am Scharlbarg werden in den Herbstferien ab dem 17. Oktober umgebaut.
Bahn im Ausnahmezustand: S-Bahn, Fern- und Regionalverkehr betroffen
Auch wer auf den öffentlichen Nahverkehr ausweichen möchte, braucht Geduld. Vom 9. bis 16. Juli wird die S-Bahn erneut zwischen Wilhelmsburg und Hammerbrook gesperrt; S3 und S5 fahren eingeschränkt, ein Schienenersatzverkehr mit Bussen wird eingerichtet. Vom 17. Juli bis 13. August folgen Brückenbauarbeiten zwischen Sternschanze und Altona: S2 und S7 entfallen in diesem Abschnitt, die S5 pendelt nur noch zwischen Stade und Sternschanze. Auch der Fern- und Regionalverkehr ist vom 18. Juli bis 20. August betroffen: Züge Richtung Kiel und Flensburg starten grundsätzlich ab Pinneberg, Richtung Sylt ist zusätzlich in Elmshorn umzusteigen. ICE-Verbindungen nach Berlin fahren nur noch stündlich ab Hamburg Hbf., Züge nach München sogar nur noch zweistündlich – und das ab Hamburg-Harburg.
Wer all das übersteht, darf sich auf die Radtouren der AG Verkehr21 freuen: Die nächsten Termine starten jeweils sonntags um 11 Uhr am Harburger Rathausplatz, mit Zielen wie Kirchwerder, den Alsterinseln, Finkenwerder und schließlich Wilhelmsburg und HafenCity. Die AG Verkehr21 trifft sich zudem monatlich montags ab 18 Uhr in der BurgerLounge am Zentrumshaus 2 in Harburg – das nächste Mal am 6. Juli 2026.



Worüber wundern wir uns? Über lange Jahrzehnte galt das politische Versprechen an den Bürger: ‚Kauf dir ein Auto, zieh ins Grüne, und du kannst jederzeit überall hinfahren wohin du willst!‘
Und man baute Straßen und noch mehr Straßen und die Bürger kauften sich Autos und noch mehr Autos und fuhren überall hin wo sie wollten. Nun ist es aber so, dass Verkehrswege einem Verschleiß unterliegen, der umso größer wird, je schwerer und stärker die Autos werden. Trotzdem hingen die bürgerlichen Parteien dieser Phantasie nach und richteten ihre Verkehrspolitik auf das Auto aus. Das tat nicht nur, aber auch die SPD, und sie tut sich bis heute schwer, sich vom Traum der autogerechten Stadt zu verabschieden.
Inzwischen kommt das Wirtschaftswachstum an seine Grenzen, die Mittel werden knapp, der Sanierungsstau wird immer länger und damit die Entscheidungsspielräume enger… und dann tritt genau die Situation ein, über die nun heiße Krokodilstränen vergossen werden.
Genau das gleiche Muster sehe ich in Sachen Klimawandel, aber da werden die Folgen ungleich gravierender sein. Dann geht es nämlich wirklich um die Wurst.