DAMALS IM SÜDEN

Zwei historische Jahrestage: Wehners Aufstieg in Harburg und Chicagos Feuerkatastrophe

Hamburg/Chicago – Der 8. Oktober ist ein Datum, das sowohl mit der politischen Geschichte Harburgs als auch mit einer der verheerendsten Brandkatastrophen des 19. Jahrhunderts verbunden ist. Vor genau 80 Jahren, am 8. Oktober 1946, trat Herbert Wehner in Hamburg der SPD bei und legte damit den Grundstein für eine außergewöhnliche politische Karriere, die über Jahrzehnte eng mit Harburg und Wilhelmsburg verbunden blieb. Auf den Tag genau 75 Jahre zuvor, am 8. Oktober 1871, begann in der amerikanischen Metropole Chicago ein gewaltiger Stadtbrand, der Tausende Gebäude vernichtete und rund 100.000 Menschen obdachlos machte.

Vor 80 Jahren: Herbert Wehner beginnt seine SPD-Karriere in Hamburg

Am 8. Oktober 1946 trat Herbert Wehner in Hamburg der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bei. Der frühere KPD-Politiker war erst wenige Wochen zuvor aus seinem schwedischen Exil nach Deutschland zurückgekehrt. Hamburg lag noch weitgehend in Trümmern, und der demokratische Wiederaufbau stand vor gewaltigen Herausforderungen. Für Wehner bedeutete dieser Schritt zugleich einen grundlegenden politischen Neuanfang.

Ab 1947 arbeitete Wehner als außenpolitischer Redakteur beim „Hamburger Echo“ und engagierte sich in der politischen Bildungsarbeit der SPD. Bereits bei der ersten Bundestagswahl am 14. August 1949 errang er das Direktmandat im Wahlkreis Hamburg-Harburg. Damit begann eine parlamentarische Laufbahn, die ihn zu einem der einflussreichsten Sozialdemokraten der Bundesrepublik machen sollte.

Von 1966 bis 1969 gehörte Wehner als Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen der Bundesregierung an. Anschließend führte er von 1969 bis 1983 die SPD-Bundestagsfraktion. Seine oft kämpferischen Reden, sein ausgeprägtes politisches Temperament und seine markante Persönlichkeit machten ihn zu einer der bekanntesten Figuren der Bonner Republik.

Trotz seiner bundespolitischen Karriere blieb Wehner seinem Wahlkreis im Hamburger Süden über mehr als drei Jahrzehnte verbunden. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Bundestag 1983 vertrat er die Interessen der Menschen in Harburg und Wilhelmsburg. Sein SPD-Beitritt vor 80 Jahren war damit nicht nur eine persönliche politische Weichenstellung, sondern auch der Beginn eines bedeutenden Kapitels der Harburger Nachkriegsgeschichte.

Vor 155 Jahren: Chicago versinkt in einem gewaltigen Flammenmeer

Am Abend des 8. Oktober 1871 brach in Chicago ein Feuer aus, das sich innerhalb weniger Stunden zu einer gewaltigen Katastrophe entwickelte. Ausgangspunkt war eine Scheune an der DeKoven Street. Die genaue Brandursache konnte niemals zweifelsfrei geklärt werden. Die später verbreitete Geschichte, eine Kuh habe beim Umstoßen einer Petroleumlampe das Feuer ausgelöst, gilt heute als Legende.

Anhaltende Trockenheit, kräftiger Wind und die zahlreichen Holzbauten der damals rasant wachsenden Großstadt begünstigten die Ausbreitung der Flammen. Das Feuer erfasste ganze Straßenzüge, sprang über den Chicago River und verwüstete große Teile des Stadtzentrums. Die Feuerwehr konnte den Brand zunächst nicht eindämmen. Erst am 10. Oktober gelang es, die Feuersbrunst unter Kontrolle zu bringen, wobei einsetzender Regen entscheidend half.

Die Bilanz war erschütternd: Mehr als 17.000 Gebäude wurden zerstört, etwa 100.000 Menschen verloren ihr Zuhause und schätzungsweise 300 Menschen kamen ums Leben. Große Teile des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens der Stadt lagen buchstäblich in Schutt und Asche.

Doch aus der Katastrophe entstand auch ein tiefgreifender Wandel. Beim Wiederaufbau setzte Chicago verstärkt auf feuerbeständigere Baumaterialien, neue Bautechniken und verbesserte Sicherheitsstandards. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Stadt zu einem international bedeutenden Zentrum moderner Architektur und Stadtplanung.

155 Jahre nach dem Beginn des Großen Brandes erinnert die Katastrophe daran, wie verheerend das Zusammenwirken von extremen Wetterbedingungen, brennbaren Baustoffen und unzureichendem Brandschutz sein kann. Zugleich steht die Geschichte Chicagos für die Fähigkeit einer Stadt, selbst nach einer nahezu vollständigen Verwüstung wieder aufzustehen.

Redaktion

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