Waschbären, Nutrias und Giftpflanzen: Harburgs Natur gerät zunehmend unter Druck
Hamburg-Harburg – Sie sehen harmlos aus, können aber für heimische Tiere und Pflanzen zum Problem werden: Invasive Arten breiten sich im Bezirk Harburg zunehmend aus. Besonders bei Waschbären, Nutrias und Marderhunden zeigen aktuelle Zahlen einen deutlichen Anstieg. Doch auch eingeschleppte Pflanzen wie der Riesen-Bärenklau und der Japanische Staudenknöterich bereiten Sorgen. Der Harburger CDU-Bürgerschaftsabgeordnete André Trepoll warnt vor den Folgen für das biologische Gleichgewicht und kritisiert, dass die Hamburger Umweltbehörde vorhandene Mittel zur Bekämpfung invasiver Pflanzen nicht vollständig ausschöpft.
Grundlage seiner Kritik sind zwei parlamentarische Anfragen zu invasiven Tier- und Pflanzenarten (Drucksachen 23/4922 und 23/4924). Die Antworten zeigen, wie stark sich insbesondere die Zahlen erlegter oder im Straßenverkehr verunglückter Tiere innerhalb weniger Jahre verändert haben. Während im Jagdjahr 2018/2019 im gesamten Bezirk Harburg lediglich drei tote Waschbären dokumentiert wurden, waren es im Jagdjahr 2025/2026 bereits 59. Bei den Nutrias, die auch als Biberratten bekannt sind, stieg die Zahl im gleichen Zeitraum von 64 auf 667 Exemplare. Die erfassten Marderhunde nahmen von 60 auf 102 zu.
Die Zahlen sind allerdings keine vollständige Bestandserhebung. Sie dokumentieren erlegte und verunglückte Tiere und können neben der tatsächlichen Verbreitung auch durch Veränderungen bei der Bejagung beeinflusst werden. Dennoch verdeutlichen sie, dass invasive Wildtierarten für den Naturschutz und das Wildtiermanagement in Harburg eine zunehmende Bedeutung haben.
Waschbären und Nutrias: CDU fordert konsequente Maßnahmen
„So pelzig-knuffig diese Tiere auch wirken mögen: Invasive Tierarten sind ein großes Problem für die heimische Tierwelt und stören das biologische Gleichgewicht erheblich“, erklärt Trepoll. Besonders Singvögel sieht der CDU-Politiker gefährdet. Er fordert deshalb eine konsequente Regulierung der Bestände und spricht sich ausdrücklich für die Arbeit der Harburger Jägerschaft aus.
Dabei setzt Trepoll vor allem auf gezielte Bejagung. Für den Umgang mit Nutrias im Hamburger Süden kommen nach seinen Angaben bereits 100 tierschutzgerechte Lebendfallen zum Einsatz. Zusätzlich soll das seit 2025 laufende Wildtiermonitoring im Naturschutzgebiet Fischbeker Heide helfen, die Entwicklung der Tierbestände besser zu verstehen. Dort erfassen Kamerafallen die vorkommenden Wildtierarten. Die gewonnenen Daten könnten künftig auch Aufschluss darüber geben, ob weitere Schutzmaßnahmen wie Elektrozäune sinnvoll sind.
Allerdings unterscheiden sich die Auswirkungen invasiver Arten erheblich. So hatte die Hamburger Umweltbehörde in einer Stellungnahme vom März 2026 erklärt, dass bislang keine großflächige Verdrängung heimischer Arten durch Nutrias in Hamburg nachgewiesen worden sei. Schäden an unbefestigten Uferbereichen seien dagegen möglich. Während die CDU insbesondere die Risiken für die heimische Tierwelt hervorhebt, verweist die Behörde damit auf die Notwendigkeit einer differenzierten Bewertung.
Gefährliche Pflanzen breiten sich aus – Geld für Bekämpfung bleibt liegen
Nicht nur in der Tierwelt sieht Trepoll Handlungsbedarf. Auch bei invasiven Pflanzenarten sind im Bezirk Harburg verschiedene Vorkommen bekannt. So wächst der Riesen-Bärenklau unter anderem in der Grünanlage Göhlbachtal und auf Ausgleichsflächen. Der Kontakt mit seinem Pflanzensaft kann in Verbindung mit Sonnenlicht schwere Hautreaktionen hervorrufen.
Der Japanische Staudenknöterich ist im Naturschutzgebiet Schweenssand, im Meyer Park und im Harburger Stadtpark nachgewiesen. Die schnell wachsende Pflanze kann dichte Bestände bilden und andere Gewächse verdrängen. In den Uferbereichen des Harburger Stadtparks breitet sich zudem das Drüsige Springkraut aus. Weitere bekannte gebietsfremde Pflanzenarten in Harburg sind die Kanadische Goldrute, die Spätblühende Traubenkirsche, die Armenische Brombeere und der Weiße Stechapfel.
Besonders kritisch bewertet Trepoll, dass es nach den Antworten auf seine Anfragen keine umfassende amtliche Statistik über Meldungen und Bekämpfungsmaßnahmen gibt. „Die Umweltbehörde beweist hier einen fragwürdigen Mut zur Datenlücke“, erklärt der CDU-Abgeordnete. Er verweist darauf, dass einzelne Pflanzenarten bei Hautkontakt gesundheitliche Schäden verursachen oder für Tiere giftig sein können.
Hinzu kommt aus seiner Sicht ein Problem bei der Finanzierung. Seit 2021 standen der Hamburger Umweltbehörde nach Trepolls Angaben insgesamt rund 1,2 Millionen Euro für die Bekämpfung gefährlicher gebietsfremder Pflanzenarten zur Verfügung. Davon wurden jedoch weniger als 950.000 Euro abgerufen. Allein im Jahr 2025 seien lediglich 60 Prozent der vorgesehenen Mittel verwendet worden.
Als weiteren Schwachpunkt nennt Trepoll die personelle Ausstattung der zuständigen Umweltbehörde. Für die Koordinierung der Maßnahmen gegen invasive Pflanzenarten stehe nicht einmal eine vollständige Personalstelle zur Verfügung. Angesichts der bekannten Vorkommen hält er das für unzureichend.
„Mit einer Teilzeitstelle kann der Kampf gegen invasive Pflanzenarten in Hamburg und auch in Harburg nicht gewonnen werden. Die offenen Haushaltsmittel sollten nicht in der Umweltbehörde versauern, sondern zusätzlich zweckgebunden an die zuständigen Fachämter in den Bezirken gegeben werden“, fordert der CDU-Politiker.
Damit richtet sich seine Kritik vor allem an den Hamburger Senat und die zuständige Umweltbehörde. Aus Sicht Trepolls müssen Erfassung, Kontrolle und Bekämpfung invasiver Arten besser aufeinander abgestimmt werden. Wie wirksam zusätzliche Maßnahmen tatsächlich wären, hängt allerdings von den jeweiligen Arten, ihren Auswirkungen und den örtlichen Gegebenheiten ab.
Weitere Informationen zum Umgang mit gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten bietet die Hamburger Umweltbehörde.
