Waldbrand und Stromausfall: 500 Einsatzkräfte üben im Landkreis Stade den Ernstfall
Landkreis Stade – Ein Waldbrand breitet sich aus, der Strom fällt aus und ein Krankenhaus muss Patienten verlegen: Rund 500 ehrenamtliche Einsatzkräfte haben am Sonnabend bei der Katastrophenschutzübung „Cascadia“ das Zusammenspiel in einer großflächigen Notlage geprobt. Vom frühen Morgen bis in den Nachmittag waren Feuerwehren, Rettungsdienst und Hilfsorganisationen gefordert. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich mehrere gleichzeitig auftretende Krisen gemeinsam bewältigen lassen.
Das von Katastrophenschutzexperte Eike Schmitter entwickelte Szenario begann mit einem Sturmtief samt Gewitter über dem Landkreis. Im nördlichen Feerner Moor bei Dollern brach ein simulierter Brand aus. Starker Wind trieb das Feuer nach Süden in den Rüstjer Forst. Eine weithin sichtbare Rauchsäule zeigte den zuerst alarmierten Kräften den Weg.
Wenn zum Waldbrand auch noch der Strom ausfällt
Die angenommene Lage verschärfte sich durch einen Schaden an einer Hochspannungsleitung und ein betroffenes Umspannwerk. Im Übungsszenario fiel dadurch im Stader Stadtgebiet und in angrenzenden Ortschaften der Strom aus. Weil unklar blieb, wie lange die Unterbrechung dauern würde, musste das Elbe Klinikum Stade seinen Betrieb einschränken. Die Evakuierung und Verlegung von Patienten in andere Krankenhäuser wurde Teil der Übung.
Gleichzeitig geriet die Wasserversorgung unter Druck. Probleme bei der Wasseraufbereitung und Druckschwankungen im Leitungsnetz beeinträchtigten im angenommenen Ernstfall sowohl die Trinkwasser- als auch die Löschwasserversorgung erheblich. Angesichts dieser sich überlagernden Probleme sah das Szenario schließlich die Feststellung des Katastrophenfalls durch den Landrat vor.
Für die Bewältigung wurden vier Einsatzabschnitte gebildet: Waldbrand, Krankenhaus, Sanität und Betreuung sowie Logistik. Dabei war bewusst nicht jeder Ablauf vorab festgelegt. Die Übung sollte möglichst realistisch und „freilaufend“ stattfinden, sodass die Beteiligten auf die Entwicklung der Lage reagieren mussten.




Viele Organisationen, eine gemeinsame Aufgabe
Beteiligt waren sämtliche im Landkreis ansässigen Hilfsorganisationen mit ihren Katastrophenschutzeinheiten, beide Kreis-Feuerwehrbereitschaften sowie die Feuerwehren Agathenburg, Dollern, Stade und Wiepenkathen. Hinzu kamen der Fachzug Energie und Technik, der Fernmeldezug der Kreisfeuerwehr, der haupt- und ehrenamtliche Rettungsdienst, die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle sowie das Technische Hilfswerk Stade. Auch die Technische Einsatzleitung und die Warndiensteinheit des Landkreises wirkten mit.
Das Elbe Klinikum Stade, das Forstamt Harsefeld, der Trinkwasserverband Stader Land und mehrere Ämter der Kreisverwaltung brachten eigenes Personal ein. Im tatsächlichen Ernstfall wäre zusätzlich der Feuerwehrflugdienst Niedersachsen zur Unterstützung aus der Luft angefordert worden.
Landrat Kai Seefried begleitete die Übung und betonte die Bedeutung des Katastrophenschutzes angesichts zunehmender Extremwetterereignisse und möglicher hybrider Bedrohungen. Nach seiner Einschätzung hätten die Einsatzkräfte bei „Cascadia“ gezeigt, dass sie gut ausgestattet und ausgebildet seien. Die Bevölkerung könne sich auf die haupt- und ehrenamtlichen Fachleute verlassen.
In den vergangenen Jahren hat der Landkreis nach eigenen Angaben erheblich in Fahrzeuge und Ausrüstung investiert sowie die Zuschüsse an Hilfsorganisationen erhöht. Seefried wertete die Übung als Bestätigung für diese Ausgaben und dankte allen, die sich in Feuerwehren und Hilfsorganisationen für die Allgemeinheit engagieren.
