Trotz Krisen und KI-Boom: Deka-Experte sieht Chancen für Anleger

Buchholz – Geopolitische Konflikte, hohe Energiepreise und der rasante Aufstieg künstlicher Intelligenz stellen die Weltwirtschaft vor große Herausforderungen. Doch wie wirken sich diese Entwicklungen auf die Kapitalmärkte aus? Beim 19. Sparkassen Investmenttag der Sparkasse Harburg-Buxtehude in der Empore Buchholz gab Deka-Investmentstratege Markus Zipperer vor 400 Gästen einen Einblick in die wirtschaftlichen Perspektiven und die Chancen und Risiken für Anleger.
Unter dem Motto „Zukunft im Blick: Wie Geopolitik und künstliche Intelligenz die Wirtschaft verändern“ hatte die Sparkasse zu ihrer größten Privatkundenveranstaltung eingeladen. Vorstandsmitglied Frederik Schröder betonte zur Begrüßung die Bedeutung persönlicher Beratung trotz zunehmender Digitalisierung. „Digitalisierung und persönliche Beratung sind keine Gegensätze. Digitale Angebote können vieles vereinfachen. Aber manchmal braucht es Menschen, die Kunden sicher durch die digitale Welt begleiten“, erklärte Schröder.
Warum die Börsen trotz weltweiter Krisen steigen
Deka-Experte Zipperer zeichnete anschließend ein überraschend positives Bild der internationalen Wirtschaft. Trotz des Ukraine-Krieges, der Spannungen im Nahen Osten und der schwachen deutschen Konjunktur hätten sich die Aktienmärkte bemerkenswert widerstandsfähig gezeigt. Innerhalb von vier Jahren habe sich der DAX verdoppelt.
Der Grund liege vor allem in der internationalen Ausrichtung großer Unternehmen. Während Deutschland 2026 voraussichtlich nur rund ein Prozent Wirtschaftswachstum erreiche, wachse die Weltwirtschaft um etwa drei Prozent. Rund 80 Prozent ihres Geschäfts machten die DAX-Unternehmen außerhalb Deutschlands. „Der DAX bildet eben nicht die deutsche Konjunktur ab. Die Weltwirtschaft ist deutlich robuster unterwegs, als es der Blick auf Deutschland vermuten lässt“, erläuterte Zipperer.
Ein Unsicherheitsfaktor bleibe die Inflation, die nach seinen Angaben weltweit bei rund vier Prozent liege. Hohe Energiepreise und die Zinspolitik der Notenbanken beeinflussten weiterhin die wirtschaftliche Entwicklung.
Künstliche Intelligenz verändert die Weltwirtschaft
Besonders große Erwartungen verbindet Zipperer mit künstlicher Intelligenz. Die amerikanischen Technologiekonzerne Amazon, Google, Meta, Microsoft und Oracle investierten gewaltige Summen in den Ausbau der KI-Infrastruktur. Nach seinen Angaben könnten ihre jährlichen Investitionen von rund 150 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf etwa 1,1 Billionen US-Dollar im kommenden Jahr steigen.
Allerdings seien hohe Investitionen noch keine Garantie für Gewinne. „Die entscheidende Frage ist: Schaffen es die Unternehmen, mit KI irgendwann auch Geld zu verdienen?“ Innerhalb der kommenden zwölf bis 24 Monate werde sich deutlicher zeigen, ob die Technologie tatsächlich die erhofften Produktivitätssteigerungen bringe.
Eine mit der Dotcom-Krise vergleichbare Technologieblase sieht Zipperer derzeit nicht. Anders als damals stünden hinter den hohen Börsenbewertungen vielfach Unternehmen mit starkem Gewinnwachstum. Gleichzeitig warnte er davor, ausschließlich auf amerikanische Technologiewerte zu setzen. Auch Europa verfüge über wirtschaftliche Stärken und Potenziale im KI-Bereich.
Für Anleger bleibe deshalb eine breite Streuung über verschiedene Branchen und Regionen entscheidend. Aktien und Unternehmensanleihen seien langfristig weiterhin interessant, während Gold eine sinnvolle Ergänzung darstellen könne.
Mit Blick auf Deutschland forderte Zipperer mehr Innovationskraft statt einer ausschließlichen Konzentration auf bestehende Industrien. Sparkassen-Vorstand Frederik Schröder nutzte den Abschluss der Veranstaltung, um die Bedeutung einer fundierten und persönlichen Anlageberatung hervorzuheben.













Gespräch zum Beitrag
Was denkst du darüber? Diskutiere mit.