Täglich Menschen abgewiesen: DRK-Präsident erlebt die Not im Harburg-Huus
Wilstorf – Wie schnell Hilfe gebraucht wird, wenn Menschen plötzlich alles verlieren oder nach einem schweren Schicksalsschlag nicht mehr weiterwissen, hat DRK-Präsident Hermann Gröhe bei seinem Besuch beim DRK-Kreisverband Hamburg-Harburg erlebt. Im Mittelpunkt standen mit dem Harburg-Huus und dem Kriseninterventionsteam zwei Angebote, bei denen Unterstützung unmittelbar und oft in besonders belastenden Situationen notwendig ist.
Beim Besuch in der Obdachlosenunterkunft Harburg-Huus wurde deutlich, wie groß der Bedarf an Schutz und Unterstützung in Harburg weiterhin ist. „Wir mussten im vergangenen Winter täglich drei bis vier Menschen abweisen. Uns fehlte schlichtweg der Platz“, berichtete Leiterin Julia Malert. Mit dem derzeit laufenden Umzug an den Martin-Leuschel-Ring soll sich die Situation verbessern. Die Zahl der Schlafplätze wird von zwölf auf 24 verdoppelt, im Tagesaufenthalt sollen künftig 60 statt bislang 30 Plätze zur Verfügung stehen.
Aus der Sorge um erfrierende Obdachlose entstand das Harburg-Huus
Begleitet wurde Gröhe bei seinem Harburg-Besuch von DRK-Vorstand Harald Halpick und Kreisverbands-Präsident Lothar Bergmann. Dabei ging es auch um die Anfänge des Harburg-Huus im Jahr 2018. „Damals gab es immer wieder Nachrichten über verstorbene Obdachlose, die im Winter erfroren waren. Wir haben dann gesagt, wir müssen unbedingt was tun“, erinnerte sich Bergmann.
Die Finanzierung war insbesondere in den ersten Jahren eine Herausforderung. „Das Harburg-Huus mussten wir in den ersten Jahren allein aus Spenden und mithilfe des Kreisverbandes finanzieren. Seit 2023 unterstützt auch die Sozialbehörde das Huus“, erklärte Halpick. Trotzdem bleibt die Obdachlosenhilfe auch weiterhin auf Spenden angewiesen.
Wenn die Polizei geht, bleibt das Kriseninterventionsteam
Ein weiterer Schwerpunkt des Besuchs war die Arbeit des Kriseninterventionsteams, kurz KIT. Insgesamt 55 Mitglieder engagieren sich dort ausschließlich ehrenamtlich. Sie werden gerufen, wenn Menschen plötzlich mit besonders belastenden Situationen konfrontiert sind – beispielsweise nach schweren Unfällen oder dem Suizid eines Angehörigen.
Häufig alarmiert die Polizei das KIT des DRK Hamburg-Harburg, damit Angehörige, Zeugen oder unmittelbar Betroffene psychosozial betreut werden können. Bis zu 60 Alarmierungen erreichen das Team monatlich. Die Einsatzkräfte machen sich innerhalb kürzester Zeit auf den Weg und bleiben häufig deutlich länger als andere Einsatzorganisationen vor Ort. „Die Polizei geht nach zehn Minuten wieder. Wir bleiben meist noch Stunden bei den Betroffenen – auch an Weihnachten oder Silvester“, erklärte KIT-Leiter Malte Stüben.
Sowohl das Kriseninterventionsteam als auch das Harburg-Huus sind auf Unterstützung angewiesen. Informationen zu Spendenmöglichkeiten gibt es beim DRK-Kreisverband Hamburg-Harburg.
