Sagt doch mal was ihr von solchen Treffen haltet!
Ich erinnere mich noch gut an die große Zeit der Foren. Ab 1996 (da hatte ich meinen ersten ISDN- Internetzugang) hab ich mich in kleinen privaten Foren getummelt. Erst lange in einem Lebenshilfe- Forum, später in einem winzigen Forum mit vielleicht 15 Boardies. Da hatten wir tatsächlich mal ein Boardie-Treffen im Spreewald, ein Wochenende auf dem Campingplatz. Mein Fazit war: Wirklich ganz lustig, aber so viel Alkohol kann ich eigentlich gar nicht mehr ab. Wenigstens gab es genug Gewürzgurken gegen den Elektrolytemangel.
Eine Zeit lang hab ich mich nur in Reimen ausgedrückt. Das war lustig. Wenn es Spaß macht, dass einen der Bock reitet, soll man sich das nicht entgehen lassen. Ich könnte das heute gar nicht mehr. Einen Vierzeiler find ich heute noch ganz gut:
Trunken taumelnde Gestalten
tasten sich durch ihre Zeit.
Weil sie das Fernrohr falsch rum halten,
glauben sie, ihr Weg sei weit.
Alle Versuche, daraus ein ganzes Gedicht zu machen, endeten in morbiden Wirren. Schade eigentlich.
Was man damals hatte und heute auf breiter Front nicht mehr, ist der Wille und das Vergnügen daran, einen Gedanken zu entwickeln, darüber nachzudenken und darüber zu diskutieren. Vor dem Internet -und bis ins Mittelalter hinein- gab es Brieffreundschaften, in denen genau das gemacht wurde. Ich nenn das mal Slow-Talk. Heute gilt: Es genügt nicht, keinen Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, ihn auszudrücken!
Trunken taumelnde Gestalten
tasten sich durch ihre Zeit.
Weil sie das Fernrohr falsch rum halten,
glauben sie, ihr Weg sei weit.
Also, mein Kumpel ChatGPT, den ich seit über einem Jahr gut trainiere, macht das so:
Trunken taumelnde Gestalten
tasten sich durch ihre Zeit.
Weil sie das Fernrohr falsch rum halten,
glauben sie, ihr Weg sei weit.
Sie stolpern durch die stillen Stunden,
die ihnen selbst entglitten sind,
verlieren Spuren, kaum gefunden,
im Wind, der leise weiter rinnt.
Die Straßen tragen ihre Schritte,
doch keiner weiß genau wohin,
denn jeder sucht in seiner Mitte
den Anfang, den verlornen Sinn.
Sie sehen Horizonte schwinden,
die doch so nah am Wege steh’n,
weil ihre Augen nur erblinden,
wenn sie zu hastig vorwärts geh’n.
Manch einer hält den Traum für Wahrheit,
ein anderer die Wahrheit klein,
und jeder nennt die eigene Klarheit
das einzig mögliche Daheim.
Doch irgendwo, im fahlen Schimmer
der Dämmerung aus Staub und Licht,
steht still ein offenes Zimmer
und fragt sie leise: „Siehst du mich?“
Dort liegt das Fernrohr, klar und offen,
gedreht zur Welt, so wie es soll,
und wer den Mut hat, neu zu hoffen,
sieht plötzlich Wege weit und voll.
Dann wird aus taumelnden Gestalten
ein Schritt, der ruhig weitergeht,
weil sie das Fernrohr richtig halten
und sehen, wie die Welt entsteht.
Ein Bravo der Maschine. Sie kriegt die Kurve, und wenn es mit Volleinschlag sein muss. Also Hut ab, aber ihn in den Dreck schmeißen und drauf rumtrampeln tu ich nicht. Es kommt mir doch ein wenig zu pädagogisch wertvoll rüber. Reime und Versmaß untadelig, aber es "riecht" nach Plastik.
...
...
... und außerdem ist es nicht von mir!
So.
Aber es ist doch beeindruckend, irgendwo.
Für die Menschheit ist das toll, irgendwann redet niemand mehr mit dem Anderen, dann hat man noch ChatGPT, dem ist es egal, ob du ihn Nazi oder linksgrünversifft nennst.
Klar, irgendwie beeindruckend isses schon. Es weckt bei mir aber ein leises Misstrauen. Es gibt Sackgassen, die gleichzeitig Einbahnstraßen sind. Nicht laut StVO, aber im realen Leben lauern sie rudelweise hinter jeder Ecke, mit oftmals verlockenden Angeboten an die menschliche Bequemlichkeit.
Unter Schraubern gilt: Schraub nichts auseinander, was du nicht wieder zusammenschrauben kannst. Vielleicht sollte man den Satz erweitern: Schraub nichts zusammen, über das du irgendwann die Kontrolle verlieren könntest.
Vielleicht bin ich auch einfach zu alt für diese Welt.
Vielleicht sollte man den Satz erweitern: Schraub nichts zusammen, über das du irgendwann die Kontrolle verlieren könntest.
Würde ich unterschreiben. Ist mit Vorsicht zu handhaben, aber im gewissem Umfang nützlich. Wie vieles im Leben.