Als Freund der Musik dachte ich mir, dass man sich doch gut in einem Forum austauschen kann, was Musiktipps angeht. Ich musste tatsächlich über 66 Jahre alt werden, um musikalisch auf Beth Hart zu stoßen- und was sag ich: mir sind die Socken weggeflogen!
Beth Hart stammt aus Los Angeles und ihre Drogenkarriere begann nach eigener Aussage mit 11 Jahren. Anfang der 2000er hat sie etliche Entziehungskuren absolviert und lebt seither drogenfrei. Sie singt ein Kontraalt, spielt Klavier bühnenreif und Gitarre, Bassgitarre, Cello und Percussion. Sie singt über alles: Von Kindesmissbrauch (I Leave The Light On) über seelischen Zusammenbruch (Crashing Down) oder darüber, dass sie ihren Lover rausschmeißt, weil das Ferkel seine Käsefüße nicht wäscht (Stinky Feet)
Der Link unten führt auf die ARD-Mediathek und zeigt ihr Konzert bei den Leverkusener Jazztagen. Das ganze Konzert ist toll, aber die Socken flogen bei Minute 55 / 32 Sek bei "Fat Man", da geht es um einen Drogendealer, der seine Ware innen in seinem Mantel trug und bei 1 Std / 2 Min (Sugar Shack).
Einer ihrer bekanntesten Auftritte ist der 2012 mit Jeff Beck beim Tribute-Konzert zu Ehren von Buddy Guy. Jetzt weiß man auch, warum ihre Ärzte ihr gesagt haben, dass sie bald gar nicht mehr singt, wenn sie weiter so rumschreit. Der Sound klingt bös nach leere Raviolidose, aber es lohnt sich trotzdem:
Leere Raviolidose, habe herzhaft gelacht. Man kann hier mal wieder gut sehen, welche Selbstheilungskräfte der Mensch frei setzen kann, um sich diesem schwarzen Loch zu entziehen.
Hä? Welches schwarze Loch denn? Ich kapier mal wieder gar nix...
Nochmal Beth Hart: Ich wüsste jetzt nicht, welche Sängerin sich an Tina Turners "Nutbush City Limits" rantraut. Die gute Beth schüttelt sich kurz das Silikon zurecht und macht es. Sie hat das Stück später mit Joe Bonamassa auch live gesungen. Dies scheint eine spontane Aktion gewesen zu sein, sie liest den Text vom Blatt ab.
Es kommt selten vor, dass mir nach Heulen zuwege ist. Aber als ich diese Stimme gehört habe, hatte ich plötzlich einen Kloß im Hals und feuchte Augen. Da ist so ein klagender Unterton drin.
Die ganze Band "Gossip" (Tratschtante) bezeichnet sich als queer (und alles dazwischen und außerhalb). Ich kannte sie bis vor Kurzem nicht.
Das ganze Konzert ist interessant, aber hier ein paar Sprungmarken für Ungedudige:
19:50 Listen Up
25:12 Real Power
28:58 Four Letter Word
35:45 Heavy Cross
Welches schwarze Loch denn?
Sorry, damit war die allgemeine Stimmung und deren gefühlte Auswirkung im Allgemeinen gemeint 🙂
Man beachte: Das Mädel war zum Zeitpunkt der Aufnahme ganze zehn Jahre alt. Welch ein Musikverständnis!
Heute ist sie 20 und anscheinend von Sturm und Drang gebeutelt. Bin gespannt, was von ihr noch kommt.
Es gibt echt musikalische Perlen, weitab von den A-Promis!
Wer die Seele der Musik sucht, wird sie in den seltensten Fällen bei den A-Promis finden... glaub ich jedenfalls. Kann mich auch irren.