DAMALS IM SÜDEN

Als Augstein in Haft kam: Ein Hamburger Fall erschüttert die Republik

Hamburg – Ein Verleger hinter Gittern, eine Redaktion unter Verdacht und eine Bundesregierung unter Druck: Am 27. Oktober 1962 stellte sich „Spiegel“-Herausgeber Rudolf Augstein der Polizei. An diesem Dienstag jährt sich seine Inhaftierung zum 64. Mal. Der Vorwurf lautete Landesverrat. Aus dem Vorgehen gegen das Hamburger Nachrichtenmagazin entwickelte sich eine schwere politische Krise – und eine Auseinandersetzung um die Freiheit der Presse.

Hamburg 1962: 103 Tage Haft für Rudolf Augstein

Am Vorabend hatten Beamte auf Anordnung der Bundesanwaltschaft die Redaktionsräume des „Spiegels“ in Hamburg und Bonn durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt. Mehrere leitende Mitarbeiter wurden festgenommen. Anlass war die Titelgeschichte „Bedingt abwehrbereit“, die sich kritisch mit der Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr und dem NATO-Manöver „Fallex 62“ beschäftigte. Die Ermittler vermuteten die Preisgabe von Staatsgeheimnissen.

Das Vorgehen löste öffentliche Empörung aus. Journalisten, Studenten und zahlreiche weitere Bürger protestierten gegen den Eingriff in die Pressefreiheit. Verteidigungsminister Franz Josef Strauß geriet besonders unter Druck, weil er persönlich die Festnahme des „Spiegel“-Redakteurs Conrad Ahlers in Spanien veranlasst hatte. Im Verlauf der Regierungskrise verzichtete Strauß schließlich auf sein Ministeramt.

Augstein blieb 103 Tage in Untersuchungshaft. Im Mai 1965 endete das Verfahren gegen ihn und Ahlers mangels ausreichender Beweise. Die Affäre wurde zu einem prägenden Ereignis für die Entwicklung einer kritischen Öffentlichkeit in der Bundesrepublik.

New York 1904: Die erste Subway nimmt Fahrt auf

New York – Während Hamburg an einen Konflikt um die Pressefreiheit erinnert, blickt New York auf einen Wendepunkt seiner Verkehrsgeschichte zurück: Am 27. Oktober 1904 eröffnete die erste U-Bahn-Strecke der Stadt. Vor 122 Jahren verband die rund 14,6 Kilometer lange Linie mit 28 Stationen die City Hall mit der 145. Straße in Manhattan. Später wuchs das Netz nach Brooklyn, Queens und in die Bronx.

Bürgermeister George B. McClellan Jr. übernahm bei der Eröffnungsfahrt persönlich die Steuerung. Kurz nach 14.30 Uhr setzte sich der erste Zug in Bewegung, um 19 Uhr begann der öffentliche Betrieb. Noch am selben Abend beförderten die Züge mehr als 110.000 Fahrgäste. Die neue Verbindung legte den Grundstein für ein Verkehrssystem, das den Alltag der Millionenstadt bis heute prägt.

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