Seevetal schlägt Alarm: Eigene A39-Abfahrt für Stelle soll Maschen entlasten
Maschen – Die Verkehrsbelastung rund um die Anschlussstelle Maschen an der A39 sorgt erneut für deutliche Kritik aus Seevetal. Bei einem Ortstermin an der Kreuzung Winsener Straße haben Bürgermeisterin Emily Weede und Angelika Tumuschat-Bruhn, Ratsvorsitzende und Ortsbürgermeisterin von Maschen/Horst/Hörsten, ihre Forderung nach einer eigenen Autobahnabfahrt für Stelle bekräftigt. Auslöser ist auch die geplante Erweiterung des ALDI-Zentrallagers in Stelle.
Seit dem Umzug des Zentrallagers nach Stelle im Jahr 2023 wird ein erheblicher Teil des Lieferverkehrs über die Anschlussstelle Maschen abgewickelt. Nun sollen die Kühl- und Tiefkühllagerkapazitäten des Logistikstandortes um rund 1.700 Quadratmeter erweitert werden. Die Gemeinde Stelle hat dafür Anfang 2026 das Verfahren zur Änderung des entsprechenden Bebauungsplans eingeleitet.
Auch die Planungsunterlagen aus Stelle zeigen, welche Bedeutung Maschen für den Logistikverkehr hat: Demnach fahren mehr als 95 Prozent des erfassten Lkw-Verkehrs aus dem Bereich Uhlenhorst in westliche Richtung. Das ALDI-Zentrallager sei bei An- und Ablieferungen nahezu vollständig auf die Anschlussstelle Maschen ausgerichtet.
„Das kann nicht über Maschen abgewickelt werden“
Für Tumuschat-Bruhn ist damit eine Grenze erreicht. „Eine Erweiterung des Gewerbegebietes, ohne dass die Kreuzung an der BAB 39 ausgebaut wird, geht gar nicht“, kritisiert die Ortsbürgermeisterin. Es könne nicht sein, dass in Stelle immer weiteres Gewerbe entstehe, während die damit verbundenen Verkehrsströme durch Maschen geführt würden.
Die Schwierigkeiten am Verkehrsknotenpunkt sind nicht neu. Bereits eine Verkehrsuntersuchung aus dem Jahr 2016, die auf Zahlen von 2014 beruhte, bescheinigte der Anschlussstelle nach Angaben der Gemeinde erhebliche Leistungsdefizite. Empfohlene Ausbaumaßnahmen wurden bislang nur teilweise umgesetzt.
Nach dem Umzug des ALDI-Zentrallagers hatten der Rat der Gemeinde Seevetal und der Ortsrat Maschen/Horst/Hörsten bereits 2023 in einer Resolution die Autobahn GmbH und den Landkreis Harburg aufgefordert, die Anschlussstelle zu entlasten und dabei auch Lösungen auf Steller Gemeindegebiet zu prüfen.
Nach Angaben von Tumuschat-Bruhn wurden seitdem im Wesentlichen die Ampelschaltung angepasst und eine Abbiegespur auf der K10 aus Richtung Maschen zur A39 verlängert. Eine grundlegende Entlastung sei damit nicht erreicht worden.
Bürgermeisterin Emily Weede sieht inzwischen auch die weitere Entwicklung Seevetals betroffen. Wenn zusätzliche Lkw-Verkehre aus Stelle dauerhaft die Kapazitäten der Maschener Anschlussstelle beanspruchten, schränke dies aus ihrer Sicht auch eigene Planungsmöglichkeiten der Gemeinde ein.
Weede kritisiert Informationspolitik der Nachbargemeinde
Deutliche Worte findet die Bürgermeisterin auch für die Kommunikation zwischen den beiden Kommunen. Seevetal habe nach ihrer Darstellung erst aus der Presse von der maßgeblichen Erweiterung des ALDI-Lagers erfahren und sich anschließend selbst um die entsprechenden Unterlagen bemühen müssen.
„Das ist alles andere als gute Nachbarschaft“, kritisiert Weede. Sie fordert deshalb erneut eine eigene Autobahnanbindung für das Steller Gewerbegebiet. Insbesondere mit Blick auf mögliche weitere Gewerbeansiedlungen könne zusätzlicher Verkehr aus ihrer Sicht nicht dauerhaft über Maschen und Seevetal geführt werden.
Weede und Tumuschat-Bruhn sehen eine eigene Anschlussstelle für Stelle deshalb nicht nur als Entlastung für den heutigen Verkehr, sondern auch als Voraussetzung für künftige Entwicklungen in beiden Gemeinden.
Die Forderung ist allerdings nicht neu und planerisch keineswegs einfach umzusetzen. Frühere Seevetaler Beratungsunterlagen weisen darauf hin, dass eine zusätzliche Anschlussstelle wegen der räumlichen Nähe zur bestehenden Anschlussstelle Maschen problematisch sein könnte. Als alternative Ansätze wurden unter anderem zusätzliche Zu- und Abfahrtsmöglichkeiten sowie weitere Umbauten am bestehenden Knotenpunkt diskutiert.
Für Seevetal bleibt das Ziel dennoch klar: Die Verkehrsströme rund um Maschen sollen entzerrt und der Ort vom zunehmenden Lkw-Verkehr entlastet werden. Mit der geplanten Erweiterung des Logistikzentrums bekommt die jahrelange Diskussion nun neuen Druck.
Ich fahre selten im Seevetal mit dem Rad, aber wenn, fällt eines besonders auf: Es ist laut! Egal wo man ist, hört man mindestens eine Autobahn, die nur vom direkt benachbarten Verkehr überlagert wird. Und der fließt ebenfalls reichlich. Ein Kurort ist Seevetal jedenfalls nicht.