Abschied mit Hoffnung: Zwei Nashörner aus Hodenhagen schreiben Artenschutzgeschichte
Hodenhagen – Ein emotionaler Abschied und gleichzeitig ein historischer Meilenstein für den internationalen Artenschutz: Die beiden Breitmaulnashorn-Weibchen Salma und Moana verlassen den Serengeti-Park Hodenhagen und reisen nach Mexiko. Dort sollen sie gemeinsam mit zwei weiteren Nashörnern aus Frankreich eine neue Zuchtgruppe im Zoológico Guadalajara bilden. Das Besondere: Erstmals werden Breitmaulnashörner im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) von Europa nach Mexiko vermittelt. Für den Serengeti-Park ist dieser Schritt ein bedeutender Erfolg seiner jahrzehntelangen Zuchtarbeit, aber auch ein Abschied, der den Verantwortlichen nicht leichtfällt.
Die beiden Nashorn-Damen sollen bereits in der kommenden Woche ihre Reise über den Atlantik antreten. Salma wurde am 6. Februar 2021 in Hodenhagen geboren, Moana erblickte dort am 26. Dezember 2016 das Licht der Welt. Beide sind damit im Serengeti-Park aufgewachsen und gehören zu einer außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte. Seit mehr als 50 Jahren werden in Hodenhagen Breitmaulnashörner gezüchtet. Mit bislang 55 geborenen Jungtieren gilt der Park als erfolgreichste Zuchteinrichtung dieser Tierart in Europa.
55 Nashornbabys und ein ganz besonderer Abschied
Für Serengeti-Park-Inhaber und Geschäftsführer Dr. Fabrizio Sepe ist die bevorstehende Reise der beiden Tiere auch eine persönliche Angelegenheit. „Ich kenne jedes Nashorn, das bei uns im Park geboren wurde, von seiner ersten Stunde an. Ich habe sie bei ihren Müttern aufwachsen und durch unsere 15 Hektar große Freianlage toben sehen“, erzählt Sepe. Deshalb falle ihm der Abschied von Salma und Moana nicht leicht. Gleichzeitig sei er stolz darauf, dass die langjährige Zuchtarbeit des Parks nun zum Aufbau einer neuen Nashorngruppe in Mexiko beitrage.
Dass internationaler Artenschutz für den Serengeti-Park mehr als ein Schlagwort ist, bewies die Einrichtung bereits in den 1990er-Jahren. Damals wurde der in Hodenhagen geborene Nashornbulle Kai in Namibia ausgewildert. Er war das erste in Europa geborene Breitmaulnashorn, dem dieser Schritt gelang. Sepe hatte das Projekt persönlich initiiert und begleitet.
„Unsere Verantwortung endet nicht am Parktor: Wir wollen unseren Tieren eine Zukunft geben und dazu beitragen, ihre Art langfristig zu erhalten“, betont der Geschäftsführer.
In Mexiko treffen Salma und Moana auf zwei weitere Breitmaulnashörner aus französischen Zoos. Das Weibchen Lewa wurde am 16. Juni 2021 im Safari de Peaugres geboren. Der Nashornbulle Wami kam am 16. Oktober 2011 im ZooParc de Beauval zur Welt und lebt seit 2014 im Pariser Zoo.
Für die vier Tiere wurde im Zoológico Guadalajara eigens eine neue Nashornanlage errichtet. Nach ihrer Ankunft müssen die Tiere zunächst eine 30-tägige Quarantäne durchlaufen. Anschließend sollen sie behutsam aneinander gewöhnt und schrittweise zu einer gemeinsamen Gruppe zusammengeführt werden.
Ein wichtiger Schritt für den internationalen Artenschutz
Hinter dem außergewöhnlichen Transport steht das Europäische Erhaltungszuchtprogramm EEP, das vom europäischen Zooverband EAZA koordiniert wird. Dabei werden Tiere verschiedener zoologischer Einrichtungen als gemeinsame Population betrachtet. Fachleute berücksichtigen Abstammung, Alter und genetische Merkmale, um geeignete Zuchtpartner zusammenzubringen und die genetische Vielfalt langfristig zu erhalten.
Die neue Gruppe in Guadalajara soll zusätzliche Möglichkeiten für die koordinierte Zucht schaffen. Das Projekt verbindet zoologische Einrichtungen in Deutschland, Frankreich und Mexiko und zeigt, wie internationale Zusammenarbeit zum Erhalt bedrohter Tierarten beitragen kann.
Dabei geht es nicht nur um die Geburt weiterer Nashörner. Wissenschaftliche Forschung, Erfahrungen bei der Haltung und Fortpflanzung sowie die Aufklärung über die Bedrohungen wild lebender Tiere gehören ebenfalls zum Artenschutz. Eine stabile Population in menschlicher Obhut kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten. Unverzichtbar bleibt jedoch der Schutz der Nashörner und ihrer natürlichen Lebensräume in Afrika.
Der Serengeti-Park Hodenhagen beteiligt sich derzeit mit insgesamt 54 Tierarten an europäischen Erhaltungszuchtprogrammen und gehört damit zu den engagierten Partnern des internationalen Zooverbandes.
Wann genau Salma und Moana ihre Reise antreten, wird aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gegeben. Auch Einzelheiten zum Transport bleiben unter Verschluss, um einen möglichst ruhigen und störungsfreien Ablauf zu gewährleisten. Sobald die beiden Nashörner sicher in Mexiko angekommen sind, will der Serengeti-Park über ihre Ankunft berichten und Bilder veröffentlichen.
Für die Mitarbeiter und Besucher in Hodenhagen heißt es nun Abschied nehmen. Doch mit Salma und Moana reist auch ein Stück der Erfolgsgeschichte des Serengeti-Parks nach Mexiko – verbunden mit der Hoffnung auf eine neue Generation von Breitmaulnashörnern.