
Als Hamburg vor dem Aufstand stand und die Welt einen Atomkrieg fürchtete
Hamburg – Ein bevorstehender Aufstand in der Hansestadt und eine Fernsehansprache mit weltweiten Folgen: Der 22. Oktober erinnert an zwei dramatische Kapitel der Geschichte. Während Hamburger Kommunisten 1923 einen bewaffneten Umsturz vorbereiteten, machte US-Präsident John F. Kennedy 1962 die sowjetischen Raketenstellungen auf Kuba öffentlich.
Hamburg 1923: Vor dem Beginn der Straßenkämpfe
Vor 103 Jahren stand Hamburg unmittelbar vor einem kommunistischen Aufstandsversuch. Hyperinflation, Versorgungsnot und politische Spannungen hatten die Weimarer Republik in eine schwere Krise gestürzt. Teile der KPD wollten diese Lage für eine Revolution nutzen. Obwohl der geplante reichsweite Aufstand nicht zustande kam, liefen in Hamburg die Vorbereitungen für einen bewaffneten Angriff weiter. In der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober begannen erste Aktionen, darunter Straßen- und Eisenbahnblockaden. Verein für Hamburgische Geschichte
Am frühen Morgen des 23. Oktober griffen Aufständische Polizeiwachen an, um Waffen zu erbeuten. Besonders in Barmbek und im damals noch preußischen Schiffbek entwickelten sich heftige Kämpfe. Der Aufstand blieb weitgehend isoliert und scheiterte nach wenigen Tagen; mehr als 100 Menschen verloren ihr Leben. Die genaue Verantwortung einzelner Beteiligter ist differenziert zu betrachten: Ernst Thälmann war mitverantwortlich, seine Rolle wurde in der späteren kommunistischen Geschichtsschreibung jedoch überhöht. Verein für Hamburgische Geschichte
Kuba 1962: Kennedy macht die Raketenkrise öffentlich
Vor 64 Jahren erfuhren die Menschen weltweit, wie gefährlich sich der Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion zugespitzt hatte. In einer Fernsehansprache am 22. Oktober 1962 informierte John F. Kennedy über sowjetische Raketenstellungen auf Kuba. Er kündigte eine Seesperre gegen weitere Lieferungen offensiver Rüstungsgüter an, die Washington als „Quarantäne“ bezeichnete. Zugleich forderte er die sowjetische Führung auf, die Raketen abzuziehen. microsites.jfklibrary.org
Mit der Ansprache begann die öffentliche Phase der Kubakrise, deren gefährlichste Tage noch bevorstanden. Die Möglichkeit eines Atomkriegs rückte für die Weltbevölkerung unmittelbar ins Bewusstsein. Erst am 28. Oktober gelang die entscheidende Verständigung: Die Sowjetunion erklärte sich zum Raketenabzug bereit, die USA sicherten zu, Kuba nicht zu überfallen. Bestandteil der vertraulichen Einigung war außerdem der spätere Abzug amerikanischer Jupiter-Raketen aus der Türkei. Die Krise gilt als einer der gefährlichsten Momente des Kalten Krieges. National Archives
