Bürgeramt vor dem Aus: Süderelbe kämpft um Service am Neugrabener Markt
Neugraben – Für viele Menschen ist der Hamburg Service am Neugrabener Markt weit mehr als eine Stelle für einen neuen Personalausweis. Gerade Senioren, Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen oder körperlichen Behinderungen sowie Bürger, die bei Behördengängen auf persönliche Unterstützung angewiesen sind, brauchen erreichbare Ansprechpartner vor Ort. Doch ausgerechnet der Standort Süderelbe steht jetzt auf der Kippe. Finanzsenator Andreas Dressel prüft aus finanziellen Gründen eine Veränderung des Angebots in Süderelbe, Blankenese und Niendorf. Eine endgültige Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen.
Der Hamburg Service Süderelbe am Neugrabener Markt 5 ist derzeit an fünf Tagen in der Woche geöffnet. Termine für Einwohnerangelegenheiten können online oder telefonisch über die Behördennummer 115 vereinbart werden. Personalausweise und Reisepässe beantragen, einen Wohnsitz anmelden und zahlreiche weitere Angelegenheiten erledigen die Menschen hier direkt in ihrem Stadtteil. Die Stadt weist aktuell Öffnungszeiten von montags und dienstags 10 bis 18 Uhr, mittwochs und donnerstags 7.30 bis 14 Uhr sowie freitags 7 bis 12 Uhr aus.
Noch zum 1. April 2026 hatte Hamburg die Öffnungszeit des Standorts Süderelbe von 30 auf 34 Wochenstunden erweitert. Nur wenige Monate später wird nun über eine Aufgabe des festen Standorts und einen Ersatz durch mobile Teams nachgedacht.
Persönlicher Service ist nicht für jeden durch eine App zu ersetzen
Für Daniel Thewes, Vorsitzender der SPD Neugraben-Fischbek, widersprechen die Überlegungen der Entwicklung in Süderelbe. „Das widerspricht jeder Vernunft“, kritisiert er.
Thewes verweist insbesondere auf das starke Bevölkerungswachstum in Neugraben-Fischbek. Mit Vogelkamp Neugraben, Fischbeker Heidbrook und Fischbeker Reethen seien rund 5.500 neue Wohneinheiten entstanden oder geplant. Durch weitere Nachverdichtung werde die Marke von 6.000 Wohnungen überschritten. Schon heute lebten mehr als 60.000 Menschen in der Region.
„Sie brauchen den Service vor Ort“, sagt Thewes. Nicht jeder könne die vorhandenen digitalen Angebote nutzen. Fehlende technische Ausstattung oder Erfahrung seien nur ein Teil des Problems. Servicekonto, Online-Ausweis, eID und AusweisApp könnten weitere Hürden darstellen.
Besonders schwer wiegt ein Rückzug aus der Fläche für Menschen, die Verwaltungsangelegenheiten nicht ohne Unterstützung erledigen können. Wer aufgrund einer kognitiven Beeinträchtigung Hilfe beim Verstehen von Anträgen benötigt oder wegen einer körperlichen Behinderung auf Begleitung und kurze Wege angewiesen ist, kann nicht ohne Weiteres auf eine ausschließlich digitale Lösung oder einen weiter entfernten Standort verwiesen werden.
Dabei ist auch der heutige Standort nicht vollständig barrierefrei: Hamburg weist das Gebäude am Neugrabener Markt offiziell als nur teilweise rollstuhlgerecht aus. Gerade deshalb stellt sich bei einer Neuordnung die Frage, wie ein künftiges Angebot nicht nur digitaler und günstiger, sondern auch tatsächlich barrierefrei und für hilfebedürftige Menschen erreichbar organisiert werden soll.
SPD Neugraben-Fischbek will festen Standort erhalten
Dressel begründet die Überlegungen unter anderem mit der Haushaltslage und einer steigenden Zahl digital verfügbarer Dienstleistungen. Statt der bisherigen festen Standorte könnten mobile Teams eingesetzt werden. Wie häufig diese vor Ort wären, ist bislang offen. Der Finanzsenator betont, die Planungen seien noch nicht abgeschlossen. Die Bezirksversammlungen sollen vor einer endgültigen Entscheidung beteiligt werden.
Für den Vorstand der SPD Neugraben-Fischbek reicht ein mobiles Ersatzangebot nicht automatisch aus. Die Partei fordert, den Hamburg Service dauerhaft am Neugrabener Markt zu erhalten.
Thewes verweist dabei auch auf das Vertrauen in staatliche Institutionen. Gerade wenn Bürger zunehmend Zweifel daran hätten, ob der Staat funktioniere, müsse Verwaltung sichtbar und erreichbar bleiben. Für viele Menschen in Süderelbe sei das frühere „Ortsamt“, auch wenn es diesen Namen längst nicht mehr trägt, bis heute genau ein solcher Anlaufpunkt.
Hinzu komme, dass eine konsequente Verlagerung auf digitale Angebote nicht überall in Süderelbe problemlos funktioniere. Thewes nennt insbesondere die weiterhin kritisierte Mobilfunkversorgung in Sandbek und im Fischbeker Heidbrook.
Aktuell bleibt der Hamburg Service Süderelbe am Neugrabener Markt geöffnet. Termine können weiterhin über die Standortübersicht des Hamburg Service oder telefonisch über die 115 vereinbart werden. Ob das dauerhaft so bleibt, wird sich erst nach Abschluss der politischen Beratungen zeigen.
